Wer nicht fragt, bleibt dumm | Diskussion um das neue Wetterdienstgesetz

Free the Wetter!

25.04.2017

Heiß, kalt, windig, verregnet – damit uns das Wetter nicht immer überrascht, gibt es einen Haufen Wetterapps. Aber die Daten, auf die wir zugreifen können, sind nur ein Bruchteil dessen, was der Deutsche Wetterdienst erhebt. Ein neues Wetterdienstgesetz soll da jetzt Abhilfe schaffen und der Allgemeinheit so viel mehr Daten kostenlos zur Verfügung stellen.

In Deutschland gibt es für alles und jeden eigene Gesetze. Und auch das Wetter macht dabei keine Ausnahme zumindest fast. Denn natürlich gibt es Gesetze für den Deutschen Wetterdienst.

Der beschäftigt sich mit dem Klima, forscht unter anderem über Atmosphäre und Umwelt und gibt Wetterwarnungen heraus. Von den gesammelten Daten erreichen uns aber kaum mehr als die Temperaturen der kommenden Tage. Und je nach Saison gibt es auch mal einen Gefahrenindex zum Pollenflug.

Damit mehr Daten öffentlich zugänglich sind, hat Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) eine Gesetzesinitiative auf den Weg gebracht. Das neue Wetterdienstgesetz hat zum Ziel, den Zugang zu mehr Daten für alle kostenlos zu ermöglichen.

Wetterdienstgesetz? Was soll das denn …

Das soll die Zusammenarbeit zwischen den Behörden vereinfachen und auch Privatleuten helfen, die große Masse an Wetterdaten für sich zu nutzen. Außerdem bekommt der Klima- und Umweltschutz eine größere Rolle zugeschrieben. Das entspreche eher dem Wertewandel, der in der Gesellschaft stattgefunden hat, so das Bundesministerium.

Die Daten können vor allem zum privaten Gebrauch genutzt werden. Zum Beispiel für Navigationsapps, die Unwetter einplanen und eine andere Route wählen könnten. Das gebe über kurz oder lang auch positive wirtschaftliche Effekte.

Nachteile der Gesetzesänderung

Kritik kommt bisher von den privaten Anbietern von Wetterapps. Die bemängeln, dadurch unter einen Wettbewerbsnachteil zu erleiden. Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur argumentiert dagegen mit der „gesetzlich vorgeschriebenen Daseinsvorsorge“.

Es steht nicht drin, dass all diese Dinge kostenlos oder überhaupt herausgegeben werden müssen, sondern können. Und das ‚Können‘ ist das interessante Wort dabei. – Arne Semsrott

Aber das neue Wetterdienstgesetz hat noch viel weitreichendere Folgen als nur eine neue Wetterdienstapp mit mehr Daten. Tatsächlich können durch die Veröffentlichung der Daten auch Leute profitieren, die mit diesen Daten ihre Forschung weiterbringen können. Davor war das aufgrund der Kosten und durch blockierte Daten oft nicht möglich.

Am 26. April hat der zuständige Ausschuss für Verkehr und digitale Infrastruktur dazu Experten eingeladen. Einer von ihnen ist Arne Semsrott. Er arbeitet für die Open Knowledge Foundation und ist Leiter des Projekts „Frag den Staat„. detektor.fm-Moderatorin Sara Steinert hat mit ihm darüber gesprochen, wie diese neuen Daten Menschenleben retten können und was es seiner Ansicht nach noch zu ändern gibt im neuen Wetterdienstgesetz.

GesichtserkennungDieses Gesetz muss noch deutlich nachgebessert werden.Arne Semsrottleitet das Projekt "Frag den Staat" bei der Open Knowlege Foundation. 

Redaktion: Roberta Knoll


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