Zeit Campus | Plagiat in der Doktorarbeit

Der Fall Christian M.

15.01.2018

Den Doktortitel und die dazugehörige Urkunde muss man sich mühsam erarbeiten. Der Fall Christian M. zeigt: es geht auch einfacher. Damit wird auch ein wachsendes Problem deutscher Universitäten offenbart.

Steile Karriere

Christian M. bewirbt sich 2009 auf eine ausgeschriebene Promotionsstelle an der Universität Göttingen und wird angenommen. Er unterrichtet in Seminaren und schreibt nebenher seine Doktorarbeit. Bereits drei Jahre später erhält er seinen Doktortitel, mit Auszeichnung. Er doziert in Göttingen und Hildesheim weiter. Sechs Jahre später, 2015, wird Christian M. der Titel aberkannt. Der Grund: die Arbeit ist ein Plagiat. Doch nicht nur das, alle seine publizierten Texte sind Plagiate. Der Magisterabschluss und das Diplom, mit denen er sich auf die Promotion beworben hatte, sind gefälscht.

Er ist offenbar ins Rathaus seiner Heimatstadt gegangen und hat sich das Zeugnis beglaubigen lassen. Die Universität sagt, dass ihr das gar nicht hätte auffallen können. Wenn das Zeugnis erst mal beglaubigt ist, dann ist das auch echt. Aber auch da gab es so einige Punkte, wo ich mich frage, warum nicht mal eher jemand Verdacht geschöpft hat. – Bernd Kramer von ZEIT Campus

Im Januar 2017 verurteilt ihn dann schließlich das Amtsgericht Göttingen wegen Urkundenfälschung, Verstoß gegen das Urheberrecht und Titelmissbrauch zu einem Jahr auf Bewährung.

Plagiat – Einzelfälle?

Plagiat – das klingt zunächst nach einem Kavaliersdelikt, ist jedoch eindeutig Betrug. Ein Phänomen, das gerade im akademischen Bereich immer mal wieder Schlagzeilen macht. Inzwischen gibt es sogar Agenturen, die anbieten, Hausarbeiten bis hin zu Abschlussarbeiten gegen Geld zu schreiben. Nimmt das Plagiieren an den Universitäten zu?

Einerseits ist das Plagiieren einfacher geworden, also man kann einfach per Copy-and-paste am Computer eine Arbeit zusammenklauen. Aber auch das Aufdecken von Betrug ist technisch gesehen einfach geworden. – Bernd Kramer

Über den Fall Christian M. und was Universitäten gegen Plagiate tun können, darüber hat detektor.fm-Moderatorin Isabel Woop mit Bernd Kramer von ZEIT Campus gesprochen.

Man benötigt ein Mehr-Augen-Prinzip, dass man auch die Doktoranden enger betreut. Diejenigen, die die Dissertation bewerten, sollten nicht unbedingt diejenigen sein, die die Promotion betreut haben. Das muss entkoppelt werden, um mehr Objektivität und Qualitätssicherung zu erreichen.Bernd Kramerarbeitet für ZEIT Campus.