Doping-Studie der UEFA

"Im Fußballsport muss gehandelt werden"

21.09.2015

"Im Fußball? Bringt nichts!" Das zumindest beten Trainer, Sportmediziner und Funktionäre immer wieder vor, wenn es um Doping im Fußball geht. Eine Studie zum Thema erhärtet nun den Verdacht, dass auch im Fußball weit mehr gedopt wird, als bislang von den meisten angenommen worden ist.

Doping ist kein Einzelsport-Phänomen

Mit dem Thema Doping verbinden viele instinktiv Radsport oder Leichtathletik. Lance Armstrong oder Justin Gatlin sind zum Synonym der dopenden Sport-Stars geworden. Was sie gemeinsam haben: Sie sind der Typ Einzelsportler.

Weil im Fußball so extrem viel Geld steckt, werden wir niemals den Punkt erreichen, an dem die Sportart komplett ausgesetzt wird. – Jonathan Sachse, fussballdoping.de

In Teamsportarten, so heißt es gern, funktionieren Doping-Mittel wenig bis gar nicht. Dennoch werden auch im Fußball immer wieder Doping-Fälle bekannt. Erst im März ist der Freiburger Sportmediziner Armin Klümper, zu dessen Patienten auch Uli Hoeneß oder Joachim Löw gehört haben sollen, des systematischen Spieler-Dopings im Fußball überführt worden. Der ehemalige Nationaltorwart Toni Schumacher schrieb schon 1987 in seinem Buch „Anpfiff“ über leistungssteigernde Präparate. Weltfußballer Zinédine Zidane hat Doping-Vorwürfe gegen seinen Verein Juventus Turin erhoben.

Die UEFA will mehr gegen Doping tun

Es waren Journalisten, die das Doping der großen Sportler aufgedeckt haben. – Jonathan Sachse von fussballdoping.de

Viele ehemalige Top-Spieler behaupten, nicht genau gewusst zu haben, was ihnen verabreicht worden ist. Ob bewusst oder unbewusst: Doping ist auch in Mannschaftssportarten keine Ausnahme. Doch erst langsam erregt das Thema im Fußball wirklich Aufmerksamkeit. Im Hinblick auf die Europameisterschaft 2016 verspricht die UEFA, mehr im Kampf gegen Doping zu tun. In Zusammenarbeit mit der nationalen Antidopingagentur NADA führt man nun einen „biologischen Pass“ ein, der künftig Steroid-Doping verhindern soll. Im Radsport ist solch ein biologischer Pass seit Jahren gang und gäbe.

Eine von der UEFA in Auftrag gegebene Studie liefert nun auch statistische Hinweise darauf, dass im Fußball sehr viel mehr gedopt wird, als bisher angenommen. Hierfür sind tausende, anonyme Urin-Proben auf ungewöhnliche Testosteron-Werte analysiert worden. Über das Ergebnis der Arbeit und was das für den internationalen Fußball bedeutet, hat detektor.fm-Moderator Thibaud Schremser mit Jonathan Sachse von der Plattform fussballdoping.de gesprochen.

Jonathan SachseDas Anti-Doping-System im Fußball ist lückenhaft.Jonathan Sachsearbeitet für fussballdoping.de des Recherche-Büros Correctiv. 

Redaktion: Till Günther