„Ehe light „bald auch in Deutschland?

Gebunden ohne Trauschein

20.04.2015

Paare, die sich gegen die traditionelle Ehe entscheiden, können in Frankreich "pacsen" statt heiraten. Das "Pacs"-Modell bietet Steuervorteile, sichert Unterstützung – auch ohne Trauschein – zu und ist deshalb sehr beliebt. Die Grünen befürworten das Modell auch für Deutschland.

Die neue Alternative zum Heiraten?

Die Zahl der Eheschließungen sinkt seit Jahrzehnten kontinuierlich. Gab es fünf im Jahr 1950 noch über 750.000 neue Ehen, sank die Zahl 2013 auf weit unter 400.000. Gleichzeitig werden immer mehr Ehen geschieden. Gemessen an den derzeitigen Scheidungs­verhältnissen werden etwa 36 Prozent aller Ehen im Laufe von 25 Jahren geschieden.

Statt in der Ehe leben immer mehr Menschen ohne Trauschein zusammen, in sogenannten nichtehelichen Lebensgemeinschaften, die sich in den letzten 15 Jahren fast verdoppelt haben. Auch die Zahl der Kinder, die unehelich geboren werden, nimmt zu. Im Vergleich zu 1960 hat sich die Zahl vervierfacht.

„Ehe light“ in Frankreich

Auf dieses gesellschaftliche Phänomen hat Frankreich reagiert und das Pacs-Modell gegründet. Der „zivile Solidaritätspakt“ zwischen zwei Menschen sichert ihnen Steuervorteile und gegenseitige Unterstützung wie zum Beispiel im Krankheitsfall zu. Außerdem kann das Paar eine Gütertrennung vereinbaren. Das scheint besonders bei heterosexuellen Paaren Anklang zu finden. Nur 5 Prozent aller geschlossenen Pacs sind gleichgeschlechtlich.

Die „Ehe light“ wird nun auch in Deutschland diskutiert. Befürworter sehen eine Nachfrage gegeben, da sich immer mehr Paare gegen die traditionelle Ehe entscheiden. Kritiker geben zu Bedenken, dass das Grundgesetz der Ehe eine Exklusivität einräumt.

detektor.fm Moderator Konrad Spremberg hat mit Christina Schildmann, Referentin beim Forum Politik und Gesellschaft der Friedrich Ebert Stiftung, über die „Ehe light“ und ihre Chancen in Deutschland gesprochen.

Christina SchildmannWir haben uns mal angeschaut, wer verpacst sich da eigentlich in Frankreich. Das sind eher diejenigen, die gut gebildet sind, in den Großstädten wohnen, die liberal eingestellt sind, die mit Kirche nicht so viel zu tun haben, die auch was die Paarbeziehung angeht, eher egalitäre Vorstellungen haben. Und die gibt es natürlich auch in Deutschland. Für sie scheint das ein interessantes Konzept zu sein. Christina Schildmannkann sich gut vorstellen, dass es auch großen Bedarf in Deutschland gibt  

Redaktion: Lisa Hänel