Elektroroller erobern Paris

Rollin' Rollin' Rollin'

29.10.2018

Nach San Francisco und Washington sind elektrische Tretroller auch in europäischen Städten angekommen. Paris ist eine der ersten “Testmetropolen”.

Lime, Bird, taxy – Paris bekommt seine Elektroroller

Dass sich die amerikanischen Start-ups Lime und Bird gerade Paris für den Start ihrer Leihroller ausgesucht haben, war eine clevere Idee. Paris kämpft seit Längerem mit überlasteten öffentlichen Verkehrsmitteln und einer hohen Luftverschmutzung. Dies bestätigte kürzlich eine Studie des Instituts Wuppertal im Auftrag von Greenpeace über mehrere europäische Großstädte. Zudem hat Frankreichs Hauptstadt kein funktionierendes Fahrradmietsystem mehr, denn die Stadträder Vélibs stecken seit Ende 2017 in Renovierungsarbeiten.

In Paris sind Roller schon seit einiger Zeit wieder im Kommen. Sie werden immer beliebter bei Erwachsenen, die das nicht mehr peinlich, sondern trendy finden. Der Städteforscher Jérôme Monnet beobachtet die Renaissance der Elektroroller seit Längerem und sieht noch ein weiteres Phänomen:

Es ist eine verspätete Reaktion auf eine ganze Serie von technologischen Innovationen: Gyroskope, das sind Kreiselsysteme, die beim Ausbalancieren helfen, immer kleiner werdende Motoren und bessere Batterien. Sie stellen eine technologische Avantgarde dar. Es ist sehr wahrscheinlich, dass sie dieses Bild auf den Roller übertragen haben. – Jérôme Monnet

Die Leihgeräte von Bild, Lime und dem Transportunternehmen taxfy haben dem Elektroroller einen Popularitäts-Schub gegeben. Seit diesem Sommer kann man sie für einen Euro und anschließend 15 Cents pro Minute mieten. Guillaume Bocs, Geschäftsführer der Läden von “eroue”, verkauft Elektroroller in Paris und meint:

Die Leute testen die Roller, finden es super und kommen dann in den Laden. Wir kommen fast nicht mehr hinterher […]. – Guillaume Bocs

Dass die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo der Luftverschmutzung offiziell den Kampf angesagt hat und die Zahl der Diesel-Autos in Paris senken und das Fahrradnetz ausbauen will, helfe dabei, den Roller zu popularisieren, so Guillaume Bocs.

Verkehrssicherheit und der öffentliche Raum

Free-Floating-Anbieter stoßen in Paris eine Debatte über die Nutzung des öffentlichen Raums an. Denn nicht alle Pariser sind über die Roller auf Fußwegen, vor Hauseingängen und an Fahrradstellplätzen glücklich.

Es bringt nichts, wenn die Regierung nach und nach reguliert und dabei jedes Mal der sozialen Praxis hinterherhinkt. Sie müsste sich ernsthaft Fragen über den öffentlichen Raum stellen. Der ist nicht dazu da, ein Fahrzeug abzustellen. Das ist nicht seine Aufgabe, er muss viele andere Dinge leisten. – Jérôme Monnet

Die französische Behörde für Verkehrssicherheit “La sécurité routière” veröffentlichte vor Kurzem Unfallzahlen. Im vergangenen Jahr starben in Frankreich fünf Menschen bei einem Unfall mit einem Elektroroller, 284 wurden verletzt. Tatsächlich sieht man in Paris mittlerweile viele Nutzungsformen: zu zweit, mit Einkaufstüten oder Kopfhörer, mit und oft ohne Helm. Ein neues Mobilitätsgesetz soll diesen Herbst die E-Roller in die offizielle Verkehrsordnung einbinden und regulieren. Denn bisher befindet sich der Treter in einem juristischen Nichts, sagte der Verkehrs-Abgeordnete der Stadt Paris Christophe Najdovski.

Wie sich eine Testfahrt im Pariser Straßenverkehr anfühlt, hat detektor.fm-Redakteurin Klara Fröhlich ausprobiert.