Die Deutsche Bahn im Dritten Reich

"Eine Entschädigung ist immer symbolisch"

04.04.2019

Im Holocaust hat die Deutsche Bahn bei der Deportation von Jüdinnen und Juden eine entscheidende Rolle gespielt. Dafür sind in den Niederlanden und in Frankreich die Opfer von den Bahngesellschaften entschädigt worden. Wie steht es um die Verantwortung der Deutschen Bahn?

Deportation mit der Bahn

Vier Pfenning pro Kilometer und Person: Bei der Deutschen Reichsbahn ist das der Basistarif gewesen. Auch Jüdinnen und Juden haben diesen Tarif für ihre Deportation gezahlt. 107 000 jüdische Bürger hat der NS-Staat aus den Niederlanden deportiert. Davon haben nur etwa 5 000 überlebt.

Also ich denke, dass das so perfide ist, dass die Bahn sich überlegen sollte, wie sie mit dieser Situation umgeht. – Rüdiger Mahlo, Repräsentant der Jewish Claims Conference Deutschland

Salo Muller, Sohn jüdischer Eltern, hat die niederländische Bahn im November zu Entschädigungszahlungen aufgefordert. Doch bevor es zum Prozess kommen konnte, hat die Niederländische Staatsbahn eingelenkt. Deswegen berät seit November eine Kommission über den Rahmen der individuellen Entschädigungszahlung.

Der Einsatz von Salo Muller hat sich gelohnt

Aber auch aus anderen Ländern kommen Verantwortungsbekundungen. Zum Beispiel zahlt aufgrund einer Klage die Französische Eisenbahn (SNCF) eine Entschädigung. Auch die Deutsche Bahn (DB) übernimmt Verantwortung. Sie finanziert ein Erinnerungsprojekt. Eine Millionen Euro erhält die Gedenkstätte Yad Vashem.

Es geht erst mal darum, bei der Deutschen Bahn dieses Bewusstsein zu schaffen: es gab das, wir haben uns daran bereichert. – Rüdiger Mahlo

Eine Einschätzung über den Umgang mit der Vergangenheit gibt Rüdiger Mahlo. Er ist Repräsentant der Claims Conference und spricht mit detektor.fm Moderatorin Juliane Neubauer.

Rüdiger MahloEs muss aufgearbeitet werden und es muss darüber nachgedacht werden, so wie in Frankreich und wie auch jetzt in den Niederlanden.Rüdiger Mahlovertritt Entschädigungsansprüche jüdischer Opfer des Nationalsozialismus. 

Redaktion: Sören Hinze