Europas Mitte | Stadtplanung in Bratislava

Hauptstadt mit Identitätskrise

12.02.2018

Die slowakische Hauptstadt Bratislava weiß nicht, was sie sein will: Studentenstadt, Finanzzentrum oder Kulturmetropole? Dabei spielen viele verschiedene Interessen eine große Rolle.

Mauerblume Bratislava

Warschau, Budapest, Prag – die Hauptstädte der Visegrád-Länder gelten als begehrte Reiseziele für Kulturbegeisterte, Nachtschwärmer oder Städteurlauber. Nur die slowakische Hauptstadt Bratislava fällt dabei aus dem Rahmen. Denn dort wissen viele noch nicht, woran sie sind. Stattdessen komme die Stadt eher einem Flickenteppich gleich, wie der Immobilienjournalist Daniel Suchy erklärt.

Man sagt immer, Bratislava besteht aus vielen kleinen Dörfern. Die Stadt ist also nicht wirklich ein Ganzes. Sondern sie besteht aus vielen kleinen Teilen, die nicht wirklich zusammenpassen. – Daniel Suchy

Was will die Stadt sein?

Dabei wäre das alleine gar nicht so schlimm. Schließlich führt gerade auch diese Unordnung dazu, dass in den letzten Jahren immer mehr Leute in Bratislava neue Projekte, Cafés oder Kulturstätten gründen.

Also Hipster- und Studentenstadt? Nicht ganz. Denn die Stadtregierung scheint eher daran interessiert zu sein, die Stadt als Finanz- und Wirtschaftsstandort zu fördern. Außerdem haben kreative Projekte bisher eher schlechte Perspektiven.

Die Macht der Superstructures

Das Fotoprojekt Bratislava's SUPER Structures will Zustände in der Stadt kritisieren. Foto: Bratislava's SUPER Structures

Foto: Bratislava’s SUPER Structures

Die Künstlerinnen Deana Kolenčíková und Aurélia Garová kommen aus Bratislava. Mit ihrem Kunstprojekt „Bratislava’s SUPER Structures“ schauen sie deshalb kritisch auf die Entwicklungen. Denn beide glauben, dass in Fragen der Stadtentwicklung oft Investoren das Sagen hätten. Deswegen fotografieren sie Aufstockungen, die auf historische Gebäude gebaut werden, ohne Rücksicht auf Bausubstanz, Umgebung oder gar die Bewohner zu nehmen.

Dass Bratislava noch immer nach seiner Identität sucht, hat für die beiden Künstlerinnen noch einen anderen Grund:

Man merkt, dass die Entscheidungsträger nicht wissen, was sie tun, und dass es überhaupt kein Konzept für die Stadtplanung gibt. Wir wollen deswegen kritisieren, wie die Stadtverwaltung die Stadt behandelt. – Deana Kolenčíková und Aurélia Garová, Künstlerinnen

Wohin entwickelt sich die slowakische Hauptstadt? detektor.fm-Reporter Lars-Hendrik Setz hat in Bratislava nach Antworten gesucht.


In „Europas Mitte“ reist Lars-Hendrik Setz durch die Visegrád-Länder. Im Podcast sammeln wir alle Episoden. Alle Folgen gibt es auch direkt bei Apple PodcastsDeezer und Spotify.