Familienministerin will mehr 24 Stunden Kitas

Betreuung rund um die Uhr

06.07.2015

Geht es nach der Familienministerin sollen Eltern künftig ihre Kinder auch außerhalb der regulären Öffnungszeiten in den Kindergarten geben können. Das ist längst überfällig, sagen die einen, die anderen fordern, dass sich endlich die Wirtschaft an die Bedürfnisse von Familien anpasst, statt umgekehrt.

Mutter: auf Geschäftsreise. Vater: Krankenpfleger im Nachtdienst. Wer betreut das Kind in Abend- oder Nachtstunden, wenn Oma und Opa nicht in der Nähe wohnen? Die meisten Kindergärten schließen spätestens um 17 oder 18 Uhr. Viele öffnen sogar nur halbtags. Der Arbeitsmarkt verlangt heute jedoch maximale Mobilität. Wenn Eltern oder Alleinerziehende ihren Beruf nicht aufgeben können oder wollen, muss eine andere Möglichkeit der Kinderbetreuung gefunden werden.

100 Millionen Euro für Ausbau der Betreuungszeiten

Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) will die Probleme von vollzeitbeschäftigten Eltern lösen. Denn sie will die Öffnungszeiten von Kitas verlängern. Insbesondere das Abend- und Nachtangebot soll ausgebaut werden. In den kommenden drei Jahren stehen für den Ausbau der Randzeiten 100 Million Euro zur Verfügung. Damit will Schwesig auch 24 Stunden Kitas unterstützen. Ab dem Herbst sollen die Träger der Kindertagesstätten ihren Bedarf beim Familien-Ministerium anmelden können.

Für Menschen, die im Schichtdienst arbeiten – im Krankenhaus oder in der Pflege, als Polizisten oder im Einzelhandel -, ist es wichtig, dass es auch in sogenannten Randzeiten eine Möglichkeit gibt, die Kinder gut betreut zu wissen. – Manuela Schwesig zur Freien Presse

24 Stunden Kita: Sachsen lehnt die Pläne aus Berlin ab

Die Opposition im Bundestag unterstützt den Plan der Familienministerin, Kindertagesstätten beim Ausbau ihrer Abend- und Nachtbetreuung zu fördern. Auch der Koalitionpartner CDU steht grundsätzlich hinter den Plänen der Familienministerin, fordert aber zugleich, dass eine Übernachtbetreuung immer nur Notlösung bleiben darf und nicht über das Maß des Notwendigen hinaus angeboten bzw. genutzt werden darf.

Die CDU in Sachsen will schon einmal nicht mitmachen. Eine 24 Stunden Kita sei pädagogisch nicht zu verantworten, so die Landes-CDU.

Ein Förderprogramm für eine solche Betreuungsform wurde und wird von uns aus pädagogischen Gründen abgelehnt. Kindertagesbetreuung ist ein teilstationäres Angebot und soll es auch bleiben. –  Kultusministerium Sachsen (CDU) zur Freien Presse

Den Plänen von Familienministerin Schwesig zufolge soll der Ausbau aber nicht dazu führen, dass das Kind insgesamt länger in der Kita betreut wird, sondern vielmehr zu flexibleren Zeiten.

Gibt es einen Bedarf an Übernachtungs-Kitas?

Wie groß der Bedarf an Übernachtbetreuung derzeit wirklich ist und ob sich nicht vielmehr der Arbeitsmarkt an die Bedürfnisse von Familien und das Betreuungsangebot anpassen sollte, hat detektor.fm-Moderator Andreas Bischof Ulrich Schneider gefragt. Er ist Hauptgeschäftsführer vom Paritätischen Wohlfahrtsverband.

Ulrich Schneider, Paritätischer gesamtverbandWir müssen langsam wieder begreifen, dass Deutschland nicht nur Wirtschaftsstandort ist, sondern auch Lebensstandort.Ulrich Schneiderer ist Geschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes. Ein Dachverband mit mehr als 10.000 sozialen Organisationen. 

Redaktion: Julia Jirmann