Fashion Revolution Day | Wer macht meine Kleidung?

Ein Selfie gegen den Hungerlohn

22.04.2015

Einfach mal das T-Shirt auf links tragen? Am Freitag ist genau der richtige Tag dafür. Der Fashion Revolution Day ruft zur weltweiten Social Media-Aktion auf. Die Aktion soll erneut auf schlechte Arbeitsbedingungen bei der Textilproduktion aufmerksam machen. Also, wer macht eigentlich unsere Kleidung?

Kleidung für Europa

Rückblende: Am 24. April 2013 ist die Textilfabrik Rana Plaza in Bangladesch eingestürzt und hat über 1000 Menschen in den Tod gerissen. Das Unglück hat gezeigt, unter welchen Bedingungen Näherinnen und Textilarbeiter Kleidung herstellen. Meist sind es Frauen, die Kleidung für Europa produzieren. Ihr Monatslohn ist meist nicht höher als 30 Euro und sie arbeiten nicht selten 12 Stunden am Tag.

Unübersichtliche Produktionsketten

Große Textilunternehmen sind nach der Katastrophe in Rana Plaza unter Druck geraten. Viele klagen über lange Produktionsketten, die eine Kontrolle der Arbeitsbedingungen und Umweltstandards unmöglich machen.

Über 140 Schritte kann eine solche Produktionskette beinhalten. Oft werden die Einzelschritte wie die Zulieferung von Knöpfen an andere Firmen abgegeben. So kann das Textilunternehmen in Europa oder in den USA kaum nachvollziehen, wer in die einzelnen Produktionsschritte involviert war.

Slow Fashion

In Berlin und in anderen Städten etabliert sich seit einigen Jahren die Slow Fashion Industrie. Diese setzt auf faire Standards und versucht unübersichtliche Produktionsketten zu vermeiden. Ein Mittel dafür sind Gütesiegel wie das Global Organic Textile Standard Label, das belegt, dass mindestens 70 Prozent des Produktes aus Bio-Rohstoffen hergestellt wurde.

Das Manko ist, dass es kein einheitliches Textilsiegel gibt. Das führt zu vielen Mogelpackungen und Übersichtlichkeit.

Fashion Revolution Day

Am Freitag jährt sich der Einsturz der Rana Plaza Textilfabrik zum zweiten Mal. Und ebenfalls bereits zum zweiten Mal rufen die Organisatoren des Fashion Revolution Day dazu auf, diese Tragödie nicht in Vergessenheit geraten zu lassen und gegen schlechte Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie zu protestieren.

Im Zentrum steht die Social Media Aktion „Inside Out“: Privatpersonen sollen ein Foto von sich und dem Etikett eines Kleidungsstückes, das sie auf links tragen, aufnehmen. Anschließend wird die Kleidungsmarke getaggt und die Frage gestellt: Wer macht meine Kleidung? Das Ganze in soziale Netzwerke hochladen und fertig. Ziel der Aktion ist es, Aufmerksamkeit und Sensibilität für das Thema zu schaffen.

Was am Freitag in Deutschland noch geplant ist und was die Hintergründe des Fashion Revolution Days sind, darüber hat detektor.fm-Moderation Teresa Nehm mit der Koordinatorin des Aktionstages in Deutschland, Annett Borg, gesprochen.

Annett BorgDer Fashion Revolution Day ist eine Kampagne, die zum Umdenken in der Modeindustrie auffordert. Denn genau solche traurigen Anlässe wie Rana Plaza haben gezeigt, dass es ganz wichtig ist, nachzuforschen, wer unsere Kleidung eigentlich herstellt. Annett Borgkoordiniert den Fashion Revolution Day in Deutschland. Foto: Sophia Opperskalski 

Redaktion: Lisa Hänel