Flüchtlinge | Integration statt Gewerbegebiet

Am Rande der Stadtgesellschaft

05.11.2014

Ein Leben im Gewerbegebiet – bald die Realität für Asylsuchende? Der Bundestag diskutiert derzeit, ob Flüchtlinge zukünftig in Gewerbegebieten wohnen werden. Denn die Unterkünfte werden immer knapper.

Menschen aus Krisengebieten flüchten zunehmend nach Europa. Doch wohin mit den Asylsuchenden? In deutschen Städten werden die möglichen Unterkünfte knapp. Der Neubau scheitert oft am Baurecht. Städte und Gemeinden hoffen deshalb, dass das sperrig formulierte „Gesetz über Maßnahmen im Bauplanungsrecht zur Erleichterung der Unterbringung von Flüchtlingen“ verabschiedet wird. Es wird  derzeit im Bundestag diskutiert und soll den Bau von Asylbewerberheimen in Gewerbegebieten ermöglichen.

Gesetzesänderung noch in dieser Woche

Initiiert hat den Gesetzesentwurf der Bundesrat und die Bundesregierung hat sich angeschlossen. In dieser Woche soll der Bundestag  das Gesetz verabschieden werden. In Gewerbegebieten zu wohnen, war bisher nicht möglich. Viele Städte haben aber kaum noch Kapazitzäten in ihren Unterkünften. Daher soll es für Asylbewerber bald eine Ausnahme geben. Geht das Gesetz durch, könnten Flüchtlinge ab Anfang 2015 inmitten von Fabrikhallen und Bürokomplexen leben.

Flüchtlinge zwischen Fabrikhallen

Die Gewerbegebiete liegen jedoch meistens am Stadtrand und die Anbindung zum öffentlichen Personennahverkehr ist oft ungünstig. Auch gibt es keine Schulen, Spielplätze oder Einkaufsmöglichkeiten. Wer im Industriegebiet arbeitet, fährt abends wieder nach Hause. Die Flüchtlinge bleiben unter sich. Ob das zur Integration in die Gesellschaft beträgt, ist zweifelhaft. Wir haben mit dem stellvertretenden Leiter des Sozialamtes der Stadt Stuttgart, Stefan Spatz gesprochen, um der Frage nachzugehen, wie Menschen in die Gesellschaft integriert werden sollen, die in einem Gewerbegebiet am Rande der Stadt leben.

SpatzStefan_FotoRudelHorstDiese Lösung ist allemal besser als Zelte.Stefan SpatzStellvetretender Leiter des Sozialamts der Stadt Stuttgart. Foto: Horst Rudel