Football Leaks: Wie das System funktioniert

An den Hammelbeinen

05.12.2016

Das Netzwerk Football Leaks legt offen, wie internationale Fußballstars systematisch Einnahmen am Staat vorbeischleusen. Durch Briefkastenfirmen in der Karibik und Konten in der Schweiz sollen sie Millionen sparen. Keine Einzelfälle, sondern verbreitete Praxis. Doch können die Spieler dafür belangt werden?

Wer steckt hinter „Football Leaks“?

Über mehrere Monate hat das Netzwerk Football Leaks Dokumente zu Gehalts- und Steuerzahlungen von Fußballprofis gesammelt. Insgesamt 18,6 Millionen Dateien und 1,9 Terrabyte an Daten sind dabei zusammengekommen. Wer das Netzwerk betreibt und ob es Mitglieder der Fußball-Branche sind, ist nicht bekannt. Die Informanten pflegen ihre Anonymität und schweigen darüber, wie sie an die Daten gekommen sind.

Jedoch haben sie die Datensätze mit den Medien der European Investigative Collaboration (EIC) geteilt. Das ist ein Zusammenschluss europäischer Medienhäuser: Mitglieder sind unter anderem der SPIEGEL aus Deutschland, El-Mundo aus Spanien und Expresso aus Portugal. Da die Datenmenge so umfangreich ist, untersuchen sie die Dokumente gemeinsam und veröffentlichen nun die ersten Ergebnisse.

Spieler-Einnahmen mit System verschleiert

Dabei zeigen sie Strukturen auf, die es mehreren Trainern und Spielern ermöglicht haben sollen, ihre Einnahmen zu verschleiern und geringversteuert auf private Konten zu leiten. Zu den Beteiligten gehören unter anderem die Superstars Cristiano Ronaldo und Mesut Özil sowie José Mourinho, derzeit Trainer von Manchester United. Aus den Unterlagen geht laut SPIEGEL-Recherchen im Falle Ronaldos hervor, dass Erlöse aus Werbedeals über eine Firma in Irland zu einer Briefkastenfirma auf den Virgin Islands geleitet wurden. Von dort aus sollen sie auf Ronaldos schweizer Konto transferiert worden sein. Das Problem: Während dieses Vorgangs werden die Einnahmen lediglich ein Mal in Irland versteuert: Mit 12,5 Prozent. Die Briefkastenfirma in der Karibik zahlt null Prozent Steuern. So erspart sich der Spieler den spanischen Spitzensteuersatz von etwa 50 Prozent.

Welche Konsequenzen ergeben sich?

Wegen dieses Vorgehens hat auch José Mourinho bereits im Fokus britischer und spanischer Steuerbehörden gestanden. Er hatte Einkünfte über eine Briefkastenfirma auf den Virgin Islands bis nach Neuseeland leiten lassen, diese zunächst aber nicht deklariert. Dafür musste der Portugiese nachzahlen, kam aber dank einer Strafzahlung ohne einen Prozess davon. Inwiefern die neuerlichen Enthüllungen konkrete Folgen für Ronaldo und Co. haben, ist noch offen. Der spanische Staatssekretär José Enrique Fernández de Moya hat angekündigt, das Finanzamt werde die Zahlungen noch einmal untersuchen.

Wir werden Praktiken und interessante Geldströme offenbaren, die man sich so vielleicht nicht vorgestellt hat. – Jürgen Dahlkamp

In jedem Fall ist nicht damit zu rechnen, dass die bisherigen Enthüllungen die letzten sein werden. Denn der SPIEGEL hat angekündigt, nach und nach weitere Zahlungen und Strukturen zu veröffentlichen.

Wie das System genau funktioniert, wer es organisiert und ob auch die Bundesliga betroffen ist, erklärt SPIEGEL-Redakteur Jürgen Dahlkamp im Gespräch mit detektor.fm-Moderator Alexander Hertel. Dahlkamp ist Teil des Teams, das die Ergebnisse recherchiert und veröffentlicht.

Redaktion: Joachim Plingen