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Foto: Tobias Schwarz | AFP
Bild: Tobias Schwarz | AFP

Forschungsquartett | Lokale Wohnungspolitik

Wohnungsnot in deutschen Großstädten

In Deutschlands Städten fehlen bis zu 100 000 Wohnungen. Der Umgang mit der Wohnungsnot ist dabei von Stadt zu Stadt unterschiedlich. Warum ist das so und wie gehen Städte mit der Not um?

Das Forschungsquartett – dieses Mal in Kooperation mit dem Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung.


Seit vielen Jahren ziehen immer mehr Menschen vom Land in die Stadt. Das liegt vor allem daran, dass dort die gesundheitliche Versorgung besser ist und es mehr Job- und Bildungsmöglichkeiten gibt. Die starke Zuwanderung führt jedoch in vielen Städten zu großer Wohnungsnot.

Wohnungsnot in Deutschland

Im Rahmen einer Studie wurde die wohnungspolitische Situation in 14 Großstädten analysiert. Dabei kam heraus, dass die untersuchten Städte im Zeitraum von 2011 bis 2017 durchschnittlich um etwa 8 Prozent gewachsen sind. Der Wohnungsneubau liegt jedoch nur bei knapp 3 Prozent. Es fehlt also in vielen Städten an Wohnraum.

Das Hauptproblem ist der starke Nachfragezuwachs der letzten Jahre. Außerdem sind viel zu wenige preiswerte, bezahlbare Sozialwohnungen gebaut worden.

Dieter Rink, Stadtsoziologe am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung

Dieter Rink, Stadtsoziologe am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung

Wohnungspolitik ist Aufgabe der Städte

Nachdem sich der Bund aus der Wohnungspolitik zurückgezogen hat, muss nun jede Stadt selbst gegen die Wohnungsnot kämpfen. Dennoch unterstützt der Bund die Städte finanziell: Für die soziale Wohnraumförderung stehen für den Zeitraum von 2018 bis 2019 mindestens 5 Milliarden Euro zur Verfügung.

Doch die Probleme sind von Stadt zu Stadt unterschiedlich: In Leipzig fehlt es immer noch an finanziellen Mitteln, um neue Wohnungen zu bauen. Im Gegensatz dazu hat München das teuerste Wohnungsprogramm, allerdings gibt es keinen Bauplatz mehr und kaum noch bezahlbare Wohnungen. So hat München mit etwa 17,50 Euro pro Quadratmeter die höchste durchschnittliche Kaltmiete Deutschlands. Zum Vergleich: Die günstigste Miete liegt bei etwa 3,90 Euro pro Quadratmeter und ist in Borgenteich zu finden.

Keine Lösung für alle

Aufgrund der unterschiedlicher Probleme muss jede Stadt andere wohnungspolitische Konzepte anwenden. Das können zum Beispiel Mietpreisbremsen oder die Förderungen von Sozialwohnungen sein. Meistens werden verschiedene Konzepte gleichzeitig angewendet.

Für die Wohnungsfrage in den Städten gibt es keine einfache und keine schnelle Lösung. Außerdem ist die Wohnungspolitik einfach träge.

Dieter Rink, Stadtsoziologe

Wie die Wohnungssituation in Deutschlands Großstädten aussieht, darüber hat detektor.fm-Redakteurin Alina Metz mit Dieter Rink gesprochen. Er ist Stadtsoziologe am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung und Autor des Fachbuchs „Lokale Wohnungspolitik. Beispiele aus deutschen Städten“. Was Alina Metz in diesem Gespräch gelernt hat, das erzählt sie detektor.fm-Moderatorin Leora Koch.