Frag den Staat | NS-Zwangsarbeit bei Bahlsen

Falsche Informationen verbreitet?

21.05.2019

Sind bei der Firma Bahlsen im Dritten Reich Zwangsarbeiterinnen beschäftigt worden? Darüber wurde viel diskutiert. Nun klären Dokumente, die FragDenStaat veröffentlicht hat, diese Frage auf.

Vergessen?

In einem Streitgespräch mit Kevin Kühnert bezeichnete sich die Unternehmens-Erbin Verena Bahlsen als „Kapitalistin“, sie wolle sich „Segeljachten kaufen und sowas“. Als Kritiker anmerkten, ihr Vermögen sei auch durch die Ausbeutung von NS-Zwangsarbeiterinnen entstanden, reagierte die 25-jährige fragwürdig. „Das war vor meiner Zeit, und wir haben die Zwangsarbeiter genauso bezahlt wie die Deutschen und sie gut behandelt“, sagte sie der Bild-Zeitung.

Das Wortpaar „Zwangsarbeiterinnen“ und „gute Behandlung“ passt einfach nicht zusammen. – Arne Semsrott, FragDenStaat

Neue Dokumente, die FragDenStaat veröffentlicht hat, zeigen, wie die Zwangsarbeiterinnen je nach Herkunftsland bei Bahlsen behandelt worden sind. Es gab eine klare Hierachie, die von West- nach Osteuropa verlief, ganz oben die Deutschen. Ukrainische Arbeiterinnen sollen besonders schlecht behandelt worden sein. Auch die Zusammenarbeit der Firma mit der SS soll in den Dokumenten belegt sein.

Verjährt, aber nicht entschuldet

Vor knapp 20 Jahren hatten 60 Frauen aus Osteuropa versucht, per Klage eine hohe Summe Schadensersatz von dem Unternehmen zu erhalten. Die Forderungen wurden damals zurückgewiesen: Sie seien verjährt, urteilten die Richter. Nun kommt das Thema wieder zur Sprache. Der Vater von Verena Bahlsen, Werner M. Bahlsen, hat die Äußerungen seiner Tochter öffentlich kritisiert und eine Aufarbeitung der Firmenvergangenheit angekündigt. Dafür soll ein unabhängiges Expertengremium zusammengestellt werden.

Was die Dokumente bedeuten, darüber hat Arne Semsrott von FragDenStaat mit detektor.fm-Moderatorin Amelie Berboth gesprochen.

TransparenzgesetzJetzt eine unabhängige Kommission einzusetzen, ist das Mindeste was Bahlsen tun kann. Es wäre angebracht, darüber hinaus Geld in Projekte zu investieren, die sich dafür engagieren, dass so etwas nicht mehr passiert.Arne Semsrottvon "Frag den Staat" glaubt, dass die Bahlsen-Aufarbeitung erst der Anfang ist. 

Redaktion: Jonas Galm


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