Freiberufliche Hebammen: Ein Beruf vor dem Aus?

19.02.2014

Der Hebammenverband schlägt Alarm: bald könnte es keine freien Hebammen mehr geben. Die Haftpflichtversicherung ist inzwischen so teuer, dass sich manche das nicht mehr leisten können. Nun wollen viele Versicherungen gar keine Hebammen mehr versichern - das Aus für eine ganze Branche?

Freiberufliche Hebammen ermöglichen schwangeren Frauen die Hausgeburt. Ist diese also bald Vergangenheit? Foto: flickr Thomas Pompernigg, Lizenz: CC BY-SA 2.0

Am 20. November 2013 waren Hebammenverbände noch sehr optimistisch. Schließlich wurde an diesem Tag die Stabilisierung des Hebammenwesens in den Koalitionsvertrag aufgenommen. Seit vergangenem Jahr läuft außerdem eine Online-Petition. Mittlerweile richten sich von dort aus rund 134.000 Unterschriften an Gesundheitsminister Hermann Gröhe – mit der klaren Aufforderung: „Hebammen brauchen höhere Vergütungen“. Denn seit Beginn der Proteste hat sich die finanzielle Lage für Hebammen nicht verbessert.

fordert die Politik zum schnellen Handeln auf.Katharina Jeschkefordert die Politik zum schnellen Handeln auf.  

Keine gerechte Haftpflichtversicherung

Doch nun trübt sich die Stimmung wieder ein – denn die Lage für Hebammen bleibt prekär. Freiberuflichen Hebammen, die sich selbst versichern müssen, weil sie nicht an einem Krankenhaus angestellt sind, fehlt es an einer fairen Struktur für Haftpflichtversicherungen.

Diese Kosten für Hebammen steigen kontinuierlich an, der Stundenlohn bleibt hingegen konstant im unteren Bereich – bei durchschnittlich 8,50 €.

Jetzt ziehen sich immer mehr Versicherungen ganz zurück. Mittlerweile steht noch eine Haftpflichtversicherung für Hebammen zur Verfügung. Laut Gesamtverband der Deutschen Versicherungsgesellschaft liegt der Grund hierfür in den stets steigenden Geburtsschäden.

Gespräch mit Gesundheitsminister

Die problematische Situation für freiberufliche Hebammen sollte sich durch das gestrige Gespräch zwischen Gesundheitsminister Hermann Gröhe und dem Deutschen Hebammenverband ändern. Nach Spiegel-Informationen möchte die Sprecherin des Ministeriums keine Zusicherungen seitens des Ministers bestätigen. Dennoch zeigt sich der Deutsche Hebammenverband optimistisch. Eine Alternative zur radikale und vor allem schnelle Umstrukturierung des Berufes käme schließlich gar nicht in Frage, beteuert der Verband.

Über die Forderungen an das Gesundheitsministerium und die mögliche Zukunftsgefährdung des freiberuflichen Hebammenberufs haben wir mit Katharina Jeschke vom Präsidium des Deutschen Hebammenverbands gesprochen.


Wenn der Gesundheitsminister es bis Juli 2015 nicht schaffen kann, werden wir am Ende des Hebammenberufes stehen. – Katharina Jeschke