Germany’s Next Topmodel in der Kritik

"Krankmachende Logik"

14.05.2015

Bald geht wieder ein Mädchentraum in Erfüllung, wenn Heidi Klum verkündet: "Du bist Germany's Next Topmodel!" Doch laut einer Studie kann die Sendung Essstörungen verstärken. Jetzt prüft die Kommission für Jugendmedienschutz, ob das Format jugendgefährend ist. Die Macher weisen die Kritik von sich.

Bereits zum zehnten Mal wird heute Abend die Siegerin von Germany’s Next Topmodel gekürt. Die Sendung ist unter 12 bis 17-jährigen Zuschauern sehr beliebt und hat einen Marktanteil von bis zu 60 Prozent. Bereits seit Beginn der Sendung vor zehn Jahren steht sie aber auch in der Kritik. Den Machern der Sendung wird vorgeworfen, dass sie ein unterwürfiges und veraltetes Frauenbild transportiere und die Teilnehmerinnen als Ware behandle.

Studie: Germany’s Next Topmodel kann Essstörungen verstärken

Auch das Körperverständnis der Sendung wird kritisiert. Das Internationale Zentralinstitut für das Jugend- und Bildungsfernsehen hat nun die erste Studie herausgegeben, die sich mit den Auswirkungen von Germany’s Next Topmodel auf psychisch Kranke, speziell Essgestörte, befasst. Die Leiter der Studie haben 241 junge Mädchen und Jungen nach ihrem Medienverhalten befragt. 85 Prozent stimmten der Aussage zu, dass das Format Essstörungen wie Magersucht und Bulimie verstärken kann. 70 Patientinnen der Befragung gaben an, dass die Sendung einen starken Einfluss auf ihre Krankheit habe.

Grund dafür ist laut der Studie die krankmachende Logik von Germany’s Next Topmodel:

Das erstrebenswerte Ziel ist es, die eigentlichen Wahrnehmungen, Gefühle und Bedürfnisse zurückzustellen, um sich perfekt an die Anforderungen und Normen anderer anzupassen und sie in ihrem Anliegen zu stören. Wird dieses implizite Grundmuster der Sendung zur Handlungsmaxime, kann es in der Identitätskrise und bei entsprechenden psychischen Dispositionen wie Leistunsbereitschaft, Anpassungsbereitschaft oder einem Hang zum Perfektionismus in die Krankheit führen. – Originaltext der Studie zu Germany’s Next Topmodel

Die Kommission für Jugendmedienschutz prüft nun, ob Germany’s Next Topmodel jugendgefährdend ist. Der Sender Pro7 hat auf die Kritik reagiert und nennt Übergewicht das größere gesellschaftliche Problem. Daraufhin hat sich der Chefarzt und Psychiater des Alexianer-Krankenhauses für psychisch Kranke in Köln Manfred Lütz eingeschaltet. Warum er die Reaktion von Pro7 kritisiert und wieso die Sendung gefährlich ist, hat er detektor.fmModeratorin Teresa Nehm erzählt.

Dr. LützDieses Schönheitsideal, das bei Germany's Next Topmodel vorgeführt wird, können maximal vier Prozent aller Frauen überhaupt erreichen. Das heißt, die Sendung frustriert erst einmal junge Frauen.Manfred Lützkritisiert die TV-Sendung Germany's Next Topmodel. 

Redaktion: Lisa Hänel