Gewalt in der Geburtshilfe

"Nein heißt nein – auch im Kreißsaal"

23.11.2018

Am 25. November, dem Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen, wird wichtigen Themen, wie Frauenfeindlichkeit oder sexueller Missbrauch, besonders große Aufmerksamkeit zuteil. Ein eher unbekannter Aspekt ist die Gewalt in der Geburtshilfe.

Ein breites Spektrum der Gewalt

Das Wort Gewalt ruft im Gehirn sofort starke Assoziationen hervor. Ein Zusammenhang, der dazu in der Regel nicht gehört, ist die Geburtshilfe. Tatsächlich berichten aber immer mehr Frauen von Misshandlungen im Kreißsaal. Die Gewalt, die sie dabei beschreiben, muss nicht zwingend eine Ohrfeige sein. Mal ist es die grobe Untersuchung ohne Vorwarnung, mal der psychische Druck eine Behandlung gegen den eigenen Willen auszuhalten.

Never change a failing system?

Hinten diesen traumatischen Erfahrungen stehen die vorherrschenden Strukturen der Geburtshilfe in Krankenhäusern. Da diese an einer Geburt ohne Eingriffe kaum Geld verdienen, ist der Druck für Ärzte und Hebammen enorm hoch. Zudem sind auch medizinische Eingriffe häufig veraltet, sagt Michael Abou-Dakn, Leiter der Geburtsklinik St. Joseph in Berlin:

Ein Anspruch, der in der Geburtshilfe noch nicht so richtig verankert ist, ist dass wir die richtigen Dinge, mit den richtigen Ressourcen, mit einem guten Sinn machen. Und eben nicht vergessen, dass wir durch unsere medizinische Intervention durchaus auch Nachteile erzeugen.

25. November: Roses Revolution Day

Es gibt bislang keine Studien zu der genauen Anzahl betroffener Frauen in Deutschland. Gründe dafür sind zum einen mangelnde Forschung, zum anderen aber auch die Sorge vieler Frauen von ihrer Erfahrung zu berichten. Auch hier unterdrücken vorhandene Strukturen das Gefühl, misshandelt worden zu sein.

In vielen Köpfen ist noch nicht verankert, dass Frauen in Würde gebären können und ihre Selbstbestimmung nicht verlieren. Wir sagen dann immer gern „Nein heißt nein – auch im Kreißsaal“. – Mascha Grieschat, Motherhood e. V. & Initiative für gerechte Geburt

Einige Betroffene haben sich zusammengeschlossen, um das Problem sichtbar zu machen. Gemeinsam haben sie den „Roses Revolution Day“ ausgerufen. Ein Aktionstag, an dem Frauen eine Rose an dem Ort ihrer Gewalterfahrung niederlegen. Die Fotos dieser Aktion sammeln sie dann auf Facebook.

Um zu verstehen, woher die Gewalt in der Geburtshilfe kommt, hat detektor.fm-Redakteurin Valérie Eiseler mit Mascha Grieschat von Motherhood e.V. und der Initiative für gerechte Geburt gesprochen. Die Position der Hebammen hat Tara Franke, selbst Hebamme und Dozentin für Geburtshilfe, erläutert. Währenddessen hat Michael Abou-Dakn die ärztliche Perspektive geschildert. Sandra Schenk hat ihre persönliche Geburtserfahrung mit ihr geteilt.

Redaktion: Valérie Eiseler