Green Radio | Das Prinzip „cradle to cradle“

Designen in Kreisläufen

27.10.2016

Die Cradle-to-cradle-Denkschule des Chemikers Michael Braungart sieht vor, Produkte zu schaffen, die der Umwelt nicht schaden: Verbrauchsgüter, die biologisch abbaubar sind, und Geräte, die man in ihre Einzelteile zerlegen kann, um sie dann weiterzuverwenden.

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Zwei Kreisläufe

In Zusammenarbeit mit dem Umweltbundesamt

In Zusammenarbeit mit dem Umweltbundesamt

Bei „cradle to cradle“ („von der Wiege bis zur Wiege“) spricht man von Designen in Kreisläufen. Gemeint sind dabei zwei verschiedene Kreisläufe:

  • Der biologische Kreislauf: Dazu gehören Produkte, die wir verbrauchen – zum Beispiel Schuhsohlen, Bremsbeläge, Waschmittel. Diese Materialien gelangen beim Verbrauch in die Umwelt, also müssen sie gemäß der Cradle-to-cradle-Denkschule biologisch abbaubar sein.
  • Der technische Kreislauf: Dazu gehören Geräte wie Waschmaschinen oder Fernseher. Sie werden nur genutzt, nicht abgenutzt. Wenn sie kaputt sind oder nicht mehr dem neuesten Stand entsprechen und ausgetauscht werden sollen, kann man bei einem Cradle-to-cradle-Produkt die einzelnen Materialien auseinandernehmen.

Müll: Den gibt es in einer Welt, die dieser Philosophie folgt, also nicht mehr. Damit würde die Umwelt entlastet. Außerdem wäre es eine Lösung für das Problem, dass inzwischen viele natürliche Ressourcen ihrem Ende entgegengehen.

Keine Konsumkritik mehr

Tim Janßen Geschäftsführer des c2c eVSchlechtes Design ist, wenn Müll erzeugt wird. Tim Janßenvom Cradle to Cradle e. V.  

In einer solchen Welt könne man wieder hemmungsloser konsumieren, sagt Tim Janßen. Er ist Geschäftsführer beim Cradle to Cradle e. V. Der Verein organisiert für Interessierte jährlich einen Kongress zum Thema.

Wir wünschen uns eine Welt, in der konventionell produzierte Waren gelabelt sind und gesunde, saubere der Standard. Das Kaufen würde die Welt dann nicht mehr zu einem schlechteren Ort machen. – Tim Janßen, Geschäftsführer beim Cradle to Cradle e. V.

Cradle-to-cradle-Produkte

Carina Bischof - Mode, Upcycling, Berlin- Foto von Chiara BonettiUpcycling heißt, einem Produkt einen höheren Stellenwert geben. Carina Bischofvom Mode-Label ALUC 

Es gibt inzwischen einige hundert Unternehmen weltweit, die Produkte nach dieser Denkschule designen. Zum Beispiel das Mode-Label ALUC aus Berlin. Dort werden keine neuen Stoffe verwendet, sondern Abfallprodukte aus der Industrie, erzählt Carina Bischof von ALUC. Es sind Reste von Baumwollstoffen, die für Farbproben gedacht sind. So entstehen Einzelstücke – wenn man es herkömmlich betrachtet – aus Müll.

Der Kragen an unseren Hemden ist abnehmbar. Wenn der nicht mehr schön aussieht, kann man ihn austauschen und muss deshalb nicht das ganze Hemd wegwerfen. – Carina Bischof, Mode-Label ALUC

  • Abnehmbarer Kragen eines ALUC-Hemdes - Foto: Catarina Gili
  • ALUC-Hemd aus Industrie-Reststoffen - Foto: Catarina Gili
  • ALUC-Oberhemd mit abnehmbarem Kragen - Foto: Catarina Gili

Auch im Bereich der Verpackung gibt es solche Cradle-to-cradle-Produkte. Eines davon ist der Milk-Tumbler der Hamburger Design-Agentur Mutter – eine Aufbewahrung oder ein Transportmittel für frische, unbehandelte Milch, die vom Bauernhof direkt in die Stadt gebracht werden soll.

Während man bei der Glasflasche mehrere Materialien hat, ist es beim Milk-Tumbler nur eins. – Carsten Buck, Geschäftsführer der Design-Agentur Mutter

Die Milchdose besteht ausschließlich aus PLA (Polymilchsäure). Das Verpackungsmaterial kann aus Molke gewonnen werden. Molke gilt für viele als Abfallprodukt bei der Käseherstellung. Man könne also sagen, dass die Kuh selbst das Material für die Verpackung ihrer Milch liefere, sagt Carsten Buck, Geschäftsführer der verantwortlichen Design-Agentur Mutter. Zudem ist das molkebasierte Plastik wiederverwendbar, aber auch zu 100 Prozent biologisch abbaubar.

Carsten Buck Geschäftsführer der Designagentur Mutter aus Hamburg - hat Milk-Tumbler mitentworfenWir wollten weniger Transport- und Energieaufwand.Carsten Buckvon der Design-Agentur Mutter 

Ein Beitrag von „Green Radio“-Redakteurin Insa van den Berg.


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