Green Radio | Lebensmittelverschwendung

Weggeben statt wegwerfen

15.12.2016

Weltweit hungern knapp eine Milliarde Menschen; weitere zwei Milliarden leiden an Mangelernährung. Und trotzdem werden allein in Deutschland jedes Jahr etwa 18 Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen. Besteht da ein Zusammenhang? Und wie kann man dem Problem begegnen?

+ + + Green Radio: Umwelt und Nachhaltigkeit  eine Kooperation mit dem Umweltbundesamt. + + +


In Zusammenarbeit mit dem Umweltbundesamt

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Laut Studien der Stiftung WWF Deutschland könnten hierzulande zehn Millionen Tonnen der verschwendeten Lebensmittel weiter genutzt werden – Essensmüll, der also vermieden werden könnte.

Zwar werde das Problembewusstsein in der Öffentlichkeit größer, sie sehe aber noch Aufholbedarf, sagt Anne-Catrin Hummel von der Welthungerhilfe. Sie ist Referentin in der Abteilung Politik und Außenbeziehungen. Dort engagiert sie sich gegen die Verschwendung von Lebensmitteln entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

60 Prozent des Abfalls fallen nämlich während des Anbaus, bei Transport und Lagerung an. Das liege nicht zuletzt an den Normen und ästhetischen Standards. Wenn eine Gurke zu krumm ist, wird sie weggeworfen, statt im Laden verkauft zu werden.

annecatrin_hummel-privatDie von der Norm abweichenden Äpfel und Tomaten sind genauso nahrhaft und lecker. Sie müssten anders angepriesen werden. Dann würde nicht so viel weggeworfen.Anne-Catrin Hummel von der Welthungerhilfe 

Lebensmittelverschwendung halbieren

Es ist Ziel der internationalen Politik, bis 2030 die Lebensmittelverschwendung zu halbieren. Das ist Bestandteil der 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung der sogenannten „Sustainable Development Goals“ (SDGs) der Agenda 2030. Sie wurde im September 2015 auf einem Gipfel der Vereinten Nationen von allen Mitgliedstaaten verabschiedet. Umweltschutzorganisationen begrüßen diese Ziele, sehen aber bislang kaum nationale Aktionspläne, um diese umzusetzen.

Aber auch jeder einzelne Konsument kann dazu beitragen, dass weniger Lebensmittel verschwendet werden. Gerold Hafner, Diplom-Ingenieur am Institut für Siedlungswasserbau, Wassergüte- und Abfallwirtschaft der Universität Stuttgart, glaubt an das großes Potential in Privathaushalten und im Außer-Haus-Konsum. Man solle sich den Wert von Nahrung bewusster machen und Essen mehr wertschätzen, sagt er. Der Wissenschaftler arbeitet zum Beispiel gemeinsam mit Groß-Kantinen an Abfallvermeidungsstrategien. Dabei werde zunächst gemessen, wie viel man dort eigentlich wegwirft und dabei bilanziert, wie viel Geld damit auch verschenkt wird.

Essen spenden

Supermärkte können nicht verkaufte Lebensmittel an die Deutschen Tafeln spenden. An deren Ausgabenstellen bekommen Menschen in Not für einen kleinen Beitrag Brot, Obst, Gemüse, Konserven. Es kommen altersarme Rentner, kinderreiche Familien, Arbeitslose, sagt der Vorsitzende des Bundesverbands, Jochen Brühl. In Deutschland gibt es rund 930 Tafeln mit etwa 2000 Ausgabestellen.

DEU, Berlin, 19.02.2015, 
[ (c) Wolfgang Borrs, Wiener Str. 11, D-10999 B e r l i n, Mobile +49.171.5332491, www.borrs.de, mail@borrs.de;  ]Die Tafeln sind eine junge Bewegung, die Ehrenamt mit sozialökologischen Ansätzen verbindet. Jochen Brühl ist Vorsitzender des Bundesverbandes Deutsche Tafel. Foto: Bundesverband Deutsche Tafel e.V. | Wolfgang Borrs 

Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl an Projekten, die sich gegen Lebensmittelverschwendung einsetzen und auch für Privathaushalte interessant sein können:

detektor.fm-Moderatorin Maja Fiedler und „Green Radio“-Reporterin Insa van den Berg im Gespräch.


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