Grenzen | Europäischer Mauerfall

Nieder mit der EU-Außengrenze!

07.11.2014

Am Sonntag feiern die Deutschen den Mauerfall. Einige werden den Tag nutzen, weitere Mauern einzureißen. Das Zentrum für politsche Schönheit will an diesem Tag symbolisch Teile der EU-Außengrenze zerstören - und so auf die tödliche Grenzpolitik der Europäischen Union hinweisen.

Das ist kein Scherz! – Rainer Süßmuth

Die Ankündigung des  “Europäischen Mauerfalls” klingt befremdlich und irritierend. Per Crowdfunding sammelt das Zentrum für politische Schönheit seit Anfang Oktober Geld, um eine Busfahrt nach Bulgarien zu finanzieren. Im Begleittext erläutern sie ihren Plan:

Dort werden wir zum 25. Jahrestag des Mauerfalls mit dem Abbau der europäischen Grenzanlagen beginnen. – Ein Akt politischer Schönheit und die einzige Form, in der sich das Jubiläum würdig ‘feiern’ lässt.

Dazu gibt es schematische Darstellungen der Grenzanlage und einen “Packzettel” mit den nötigen Utensilien, um den Zaun zu zerstören.

Mauerfall-Jubiläum als Mahnung

Der 9. November bildet den passenden Rahmen für diese Aktion. Während Deutschland den Fall der tödlichen Mauer feiert und ihrer Opfer gedenkt, sterben täglich Menschen bei dem Versuch, nach Europa zu gelangen. Sie ertrinken vor Lampedusa oder in der Ägais oder verdursten bereits bei ihrem Marsch durch die Sahara, lange bevor sie überhaupt die hochgerüstete EU-Außengrenze in der spanischen Enklave Melila an der marrokanischen Küste erreichen.

20141030051310-EU-Aussengrenze_05"Die Schande von Melila"In der spanischen Enklave "schützen" bis zu vier Grenzanlagen hintereinander die Europäer vor den ärmsten Afrikas. Foto: Zentrum für politische Schönheit 

Die dunkle Seite Europas

Die Meldungen über solche Tragödien geistern zwar wöchentlich durch die Medien, echtes Interesse scheint die Abschottungspolitik der Europäischen Union jedoch selten zu erzeugen. Auch darum suchen die Aktivisten die Öffentlichkeit. Europa und gerade die Deutschen sollen endlich hinsehen: auf das Elend jenseits des Zauns und eine Grenze mitten in Europa, die 25 Jahre nach dem 9. November 1989 jährlich mehr Menschenleben fordert als die Mauer in den 28 Jahren ihres Bestehens.

Vor ihrer Abfahrt am Freitag hat Rainer Süßmuth, der an der Fahrt teilnimmt, mit uns über die Beweggründe für diese Form des Protest, die Vorbereitungen der Aktivisten und den Wunsch nach Aufmerksamkeit für die dunkle Seite Europas gesprochen.

20141030045719-PackzettelDer "Packzettel"Mit diesen Utensilien wollen Rainer Süßmuth und seine Mitstreiter am Sonntag Teile der EU-Außengrenze in Bulgarien einreißen. Foto: Zentrum für politische Schönheit