Gute Nachrichten | Obdachlosen-Gesundheitszentrum der Jenny De la Torre Stiftung

"Ich möchte meine Kraft nicht in Frustration investieren"

17.06.2015

Sie kam als Ärztin aus Peru. Sie kümmert sich seit 1994 um Obdachlose. Sie gründete ein Gesundheitszentrum und später eine Stiftung. Heute sind Jenny De la Torre und ihre Mitstreiter Anlaufstelle für tausende Obdachlose und Menschen ohne Krankenversicherung. Sie helfen auch anonym und unbürokratisch. Mit Medizin, Kleidung, Essen und vor allem: auch einfach mal einer Auszeit vom harten Leben auf der Straße.

Wer krank ist, der geht zum Arzt. Oder bleibt mal einen Tag im Bett. Vielleicht hat man auch noch ein paar Medikamente daheim. Was aber, wenn man nicht zum Arzt gehen kann? Und wenn es kein Bett gibt? Was, wenn einen das eigene Zuhause krank macht: weil es dreckig, laut und unhygienisch ist? Und wenn kein Arzt helfen kann, weil es niemanden gibt, der das bezahlt?

Keine Adresse, kein Ausweis – keine Hilfe

Obdachlose Menschen und Menschen ohne Krankenversicherung landen schnell in einem furchtbaren Kreislauf. Weil Sie nicht zum Arzt gehen, weil sie in schlechten Bedinungen leben und weil sie unter Stress stehen, werden sie schnell sehr ernst krank.

Jenny De la Torre kam als Ärztin aus Peru nach Berlin. Sie sah, wie viele Menschen das betrifft. Und sie wollte helfen. 1994 begann sie, sich um diese Menschen zu kümmern. Heute betreibt sie in Berlin ein ganzes Gesundheitszentrum für Obdachlose und Menschen ohne Krankenversicherung. Und eine eigene Stiftung dafür.

Mehr als nur Wunden verbinden

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Hier wird geholfen: das Gesundheitszentrum in der Pflugstraße in Berlin.

Unter dem Dach des Gesundheitszentrums wird umfassend geholfen: Auf drei Stockwerken finden sich hier eine Allgemeine Arztpraxis, Hautarzt und Augenarzt, Internist und Orthopäde, Zahnarzt, Sozialberatung, Psychologische Hilfe, Rechtsberatung – sogar ein Friseur und ein Fotograf arbeiten hier. Es gibt eine Kleiderkammer. Und eine Versorgung mit Essen.

Jenny de la Torre sagt: nur Wunden verbinden, das hilft nicht. Sie will die Menschen von der Straße holen, ihnen ihre Würde zurückgeben. Dafür braucht es manchmal sehr viele kleine Schritte. Zu zeigen, wie gut sich eine heiße Dusche und saubere Kleidung anfühlt, und etwas Auszeit vom harten Leben auf der Straße verschaffen, gehört dazu.

Um das zu schaffen, ist die Stiftung auf Unterstützung angewiesen: mindestens 300.000 Euro braucht sie jedes Jahr, dazu noch Sach-, Kleidungs- und Lebensmittelspenden – es gibt viele Möglichkeiten, die Arbeit zu unterstützen.

Die taz nannte Jenny De la Torre „Die Ärztin der Armen“. Wie wird man das? Wird die Situation in Deutschland schlimmer? Und wie sieht ihre tägliche Arbeit aus? Marcus Engert ist nach Berlin gefahren und hat Jenny De la Torre getroffen.

Dr.DLT 007Das ist Stress: jeden Tag für sich zu sorgen. Wo ich esse, wo ich schlafe... Die haben so viel Stress! Für uns ist es ganz normal, was wir alles haben. Aber für die nicht. (...) Ich sage meinen Patienten immer: jetzt können sie noch selbst entscheiden, was mit ihnen wird. Später werden andere entscheiden über sie.Jenny De la Torream Empfang des Gesundheitszentrums für Obdachlose. 

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