Gute Nachrichten – Das Peng! Collective

Politischer Aktivismus, der in die Vollen geht

29.04.2015

Das Peng! Collective macht keine halben Sachen. Sie kapern die Vattenfall-Zentrale, geben sich als Google-Manager aus oder schleusen einen falschen Wunderheiler bei AstroTV live ins Programm. Warum? Weil sie die Zivilgesellschaft stärken wollen. Der bewusste Grenzübertritt gehört zum Kalkül.

„Die Zivilgesellschaft aus der Lähmung rausholen.“ So beschreibt Paul von Ribbeck – auch bekannt als Jean Peters, auch bekannt als ein Mitglied des Peng! Collective – was dieses Kollektiv eigentlich vorhat.

Manche Initiativen und Projekte arbeiten mit Fakten. Andere mit den Füßen auf der Straße. Wieder andere mit Unterschriften. Das Peng! Collective arbeitet mit der Inszenierung.

Das Rezept ist oft das Gleiche: das Kollektiv kapert einfach diejenigen, die es kritisieren will. Da erhalten 2.000 Leute (darunter Kai Dieckmann, Joachim Gauck sowie Kirchengemeinden und CDU-nahe Stiftungen) Weihnachstpost von Angela Merkel. Post, in der die Kanzlerin die Abschiebung von Flüchtlingen mit christlichen Werten erklärt.

Ein vermeintlicher Wissenschaftler tritt auf einer Konferenz des Mineralölkonzerns Shell auf, um dort einen Motor vorzuführen, der Luft reinigen soll, wenn er läuft. Bei der Demonstration verspritzt das Gerät aber nur literweise Öl im Raum.

Angebliche Google-Manager stellen auf der re:publica „wunderbare“ neue Produkte vor, die eine neue Stufe der Überwachung und Datensammelei darstellen. Und auch ein dubioser Wunderheiler wurde live ins Programm von Astro-TV geschmuggelt – und zerteile ein rohes Ei auf dem Kopf des Moderators.

Was nutzt Protest, wenn ihn keiner hört?

Natürlich hätte man auch anders Veränderungen in der Flüchtlingspolitik, den Stopp von Öl-Bohrungen in der Arktis oder den Lizenzentzug von AstroTV fordern können. Doch hätten dann genau so viele davon mitbekommen? Das ist die Grundfrage.

Der jüngste Coup des Peng! Collective schaffte es denn auch wieder in die Nachrichten so einiger Medien (die „echten“ Nachrichten, wohlgemerkt). Denn das der Energiekonzern Vattenfall in einer Pressekonferenz in seiner Berliner Zentrale verkündet, sich doch nicht aus der Lausitz zurückzuziehen, und mehr noch: von Kohlekraft dort komplett auf Erneuerbare Energien umzusteigen, das wäre schon eine Sensation.

Kamerateams, Aufsteller mit dem Firmenlogo, Mitarbeiter mit schwedischen Namen und Vattenfall-Badges um den Hals – die Pressekonferenz war perfekt inszeniert.

Den Spieß umdrehen

Das Kollektiv kritisiert nicht von außen: es kapert einfach Marken. Das Resultat: die kritisierten Unternehmen können plötzlich nicht mehr selbstbestimmt entscheiden, was sie wann wie mitteilen wollen und was nicht. Sie müssen sich rechtfertigen, warum sie etwas nicht tun.

Shell muss erklären, warum man in der Arktis bohrt. Die Medienanstalt Berlin-Brandenburg muss erklären, warum sie AstroTV die Lizenz nicht entzieht. Und Vattenfall muss erklären, welches Engagement man in der Lausitz an den Tag legt, um jahrzehntelange Umweltbelastung wieder gutzumachen.

Was genau sie eigentlich erreichen wollen, wie sie arbeiten, wie sie mit Kritik und juristischen Schritten umgehen und warum sie glauben, mit ihrer Arbeit die Zivilgesellschaft zu stärken, haben wir „Paul von Ribbeck“ gefragt.

Ich muss als Mensch in der Zivilgesellschaft ohne jegliche Privilegien nicht unbedingt stillhalten. Ich kann etwas tun. (Jean Peters)

 


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„Gute Nachrichten“ – unter diesem Titel stellen wir jeden Mittwoch Projekte, Initiativen und Firmen vor, die etwas besser machen wollen. Arbeit verbessern, Wirtschaft und Moral in Einklang bringen, den Umweltschutz voranbringen, fair produzieren, nachhaltig wirtschaften oder kulturell bereichern.

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