Gute Nachrichten | „Lebensnah Bestattungen“ von Eric Wrede – Ein „Alternativer Bestatter“ im Portrait

"Den Tod, den darf man auch mal Arsch nennen"

16.09.2015

"Die Bestattungsindustrie nimmt uns zu viel ab" - sagt Eric Wrede. Nachdem er zehn Jahre lang Musikmanager war, war es für ihn Zeit für etwas Neues. Heute ist er "Alternativer Bestatter" und will mit seinem Unternehmen "Lebensnah Bestattungen" dafür sorgen, dass man auch tatsächlich Abschied nehmen kann: zum Beispiel, indem man den Sarg selbst mit baut.

Wenn jemand stirbt, reißt das nicht selten eine Lücke und lähmende Leere ins Leben – und bringt auch Überforderung. Was ist zu tun? Wer hilft einem? Was kostet das? Die Liste der zu regelnden Dinge ist schier unendlich. Was oft auf der Strecke bleibt dabei, ist das eigentliche Abschied nehmen: in aller Ruhe, im Stillen und nur für sich.

Als Eric Wrede begann, sich über seinen Neustart Gedanken zu machen, konnte er noch nicht ahnen, dass er einmal Menschen bestatten würde. Es war Zeit für einen Neustart, nachdem er zuvor zehn Jahre lang in einer ganz anderen Branche gearbeitet hat: er war Musikmanager und kümmerte sich bei Motor Music um Bands wie Selig, Polarkreis 18 oder Bodi Bill.

Und dann stand sie im Raum: die Frage, was einen abends eigentlich zufrieden ins Bett gehen lässt? Eric Wrede hatte eine lange Liste, aber kein Job wollte so recht darauf passen. Bis auf: Bestatter. „Alternativer Bestatter“, genauer gesagt.

Was macht ein „Alternativer Bestatter“?

Nachdem er ein Jahr bei einem klassischen Beerdigungsinstitut mitarbeitet, fällt der Entschluss, etwas Eigenes zu machen. Am Ende dieses Prozesses steht „Lebensnah Bestattungen“:

Wir glauben fest daran, daß jeder Mensch eine eigene Persönlichkeit hat, die sich auch in seiner Bestattung widerspiegeln sollte. Und jeder Hinterbliebene hat das Recht sich in die Abschiednahme einzubringen und seiner Trauer Raum zu geben.

Sich einbringen, das Abschied-nehmen aktiv gestalten und Hinterbliebene mit einbinden (zum Beispiel, um den Sarg für den Verstorbenen zu bauen), das will Eric Wrede schaffen – auch, indem er sich mit anderen vernetzt, die ebenfalls etwas verändern wollen.

Was ihn an der Bestattungsindustrie stört, wie man Freunde einerseits und Familie andererseits zusammenbringt und was das alles kostet: Marcus Engert hat Eric Wrede bei „Lebensnah Bestattungen“ besucht und mit Hugo Egon Balder darüber gesprochen.

Eric Wrede - Lebensnah Bestattungen 1 - Foto Jule MuellerAlleine, dass wir uns abends bei einem Bier in der Kneipe darüber unterhalten (...), da entsteht schon ein Wissen. Und wenn du das weißt, bist du schonmal rudimentär so ausgestattet, dass du dann ein paar Entscheidungen für mich - und im besten Falle mit meiner Familie - treffen kannst.Eric Wredefrüher Musikmanager, heute Bestatter - empfiehlt, früh und unverkrampft mit guten Freunden über die eigene Bestattung zu sprechen.Foto: Jule Müller 

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Redaktion: Marcus Engert