Hebammen-Notstand

Drei Geburten auf einmal

21.03.2017

Hebammen-Notstand und immer weniger Geburtskliniken. Das bescheinigt ein Gutachten des Bundestages deutschen Krankenhäusern. Gleichzeitig steigt die Geburtenzahl weiter an.

Drei Entbindungen gleichzeitig

Fast die Hälfte der Hebammen in Krankenhäusern kümmert sich „während der Geburt um drei Frauen gleichzeitig“. So steht es in einem noch unveröffentlichten Gutachten des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags, welcher der Rheinischen Post vorliegt.

Hinzu kommt, dass Krankenhäuser ihre Geburtsstationen zusammenstreichen, meist aus wirtschaftlichen Gründen. Vor allem auf dem Land sind Kliniken mit geringer Geburtszahl demnach zu Schließungen gezwungen. So ist zwischen 1991 und 2015 die Zahl der Häuser mit Geburtsstationen um rund 40 Prozent gesunken. Mittlerweile ist nur noch jede dritte Klinik mit einer Entbindungsstation ausgestattet.

Nach einer Phase, in der wirklich viel zu wenig Kinder in Deutschland geboren wurden und die Leistungserbringer sprich die Krankenhäuser und der Berufsstand selber darauf reagiert haben, steht jetzt die Frage neu, wie wir die Bedarfe besser organisieren und erfüllen können. – Maria Michalk, gesundheitspolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion

Hebammen: Teure Bedingungen

Während es für Krankenhäuser in Teilen schwierig ist, offene Hebammenstellen mit Fachkräften zu besetzen, haben einige freiberuflich arbeitende Hebammen längst aufgegeben. Das ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass die Versicherungsprämie für die Berufshaftpflicht der Hebammen jährlich bei 6.843 Euro liegt.

Das trägt auch dazu bei, dass es einen Hebammen-Notstand gibt. Währenddessen steigen die Geburtenzahlen weiter.

Zwischen den Kreißsälen

Wenige Geburtskliniken und wenige Hebammen, die obendrein zwischen mehreren Kreißsälen hin und her rennen. Werdende Mütter treffen also aktuell in Deutschland auf eine problematische Geburtshilfe-Versorgung.

Ich denke, dass man jetzt auch zunehmend dazu übergeht, Kooperationen zwischen den Häusern zu machen. Andere Kliniken, die zu wenig Geburten haben, erhalten mithilfe von Umschichtungen die Geburtsstation trotzdem aufrecht und können Schwangerschaften beziehungsweise Geburten dann von anderen Bereichen hinzunehmen. – Maria Michalk

Wo und mit welcher Betreuung sollen Frauen künftig ihre Kinder gebären? Diese Frage hat detektor.fm-Moderator Christian Eichler mit Maria Michalk diskutiert. Sie ist gesundheitspolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion.

Maria Michalk_gesundheitspolitischen Sprecherin der CDUCSU-Bundestagsfraktion_Laurence ChaperonJede Frau hat natürlich das Wunsch- und Wahlrecht, in welches Krankenhaus sie geht, und das muss gestaltet werden. Maria Michalkgesundheitspolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion spricht sich für Qualitätssicherung und gute Geburtsvorbereitung aus. 

Redaktion: Vera Weber