Helikopter-Eltern an der Uni

Unsere Tochter möchte gern Jura studieren

11.05.2015

Für viele junge Studierende sind die eigenen Eltern heute die wichtigsten Ansprechpartner – Rebellion Fehlanzeige. Das führt mittlerweile dazu, dass Eltern zu Elternabenden an die Uni gehen und für ihre Kinder weiterhin das Leben organisieren.

Universität Hamburg, Universität Freiburg, Universität Osnabrück, diese und viele weitere Universitäten haben eines gemeinsam: Sie bieten Elternabende an. Zugegeben, diese Abende laufen etwas anders ab, als in der Schule. Doch immerhin informieren sich hier die Eltern darüber, was genau ihre Sprösslinge auf der Universität so treiben. So manchem Elternteil reicht jedoch auch das nicht: „Besucht mein Sohn regelmäßig die Vorlesung?“, solche Anfragen sollen regelmäßig in den Sekretariaten deutscher Unis eingehen.

Professoren beklagen Unselbstständigkeit

Die Lehrenden hingegen finden diese Form der Überbehütung gefährlich. Die Studierenden heutzutage seien faul, unselbstständig und verwöhnt, schrieb erst neulich ein Professor in einem FAZ-Gastbeitrag. Ganz so schlimm ist es wohl noch nicht. Doch ist klar, dass die Studierenden durch G8 und die Bologna-Reform immer jünger werden. Mit Elternabenden und Erstsemester-Familientagen – die Universität Freiburg muss ihren aufgrund des Andrangs inzwischen im Stadion des SC Freiburg stattfinden lassen – tragen die Universitäten selbst dazu bei, dass die Eltern eine Einmischung als normal betrachten.

Kleiner Prozentsatz

Natürlich sind die Helikopter-Eltern kein Massenphänomen. Doch der Trend sollte aufhorchen lassen. Denn überfürsorgliche Eltern können ihren Kindern genauso schaden wie Eltern, die ihre Kinder vernachlässigen. Das Risiko bleibt.

Über das Problem der Überbehütung junger Erwachsener und darüber, wie groß das Problem tatsächlich ist, hat detektor.fm-Moderatorin Astrid Wulf mit dem Erziehungswissenschaftler und Buchautoren Albert Wunsch gesprochen.

Foto - Albert Wunsch - vor Baum D 2 OKDas Interesse, das die Eltern an der Fortentwicklung ihrer Kinder haben ist gut, nur machen sie es insofern falsch, dass sie anstelle der Kinder handeln.Albert Wunschist Erziehungswissenschaftler und hat sich in seinem Buch "Die Verwöhnungsfalle" für eine Erziehung zu mehr Eigenverantwortlichkeit ausgesprochen. 

Redaktion: Javan Wenz