In Gedenken an die Opfer der Loveparade

Wie wichtig ist die Aufarbeitung eines Traumas?

08.03.2016

Fast sechs Jahre liegt das Unglück der Loveparade in Duisburg zurück. Viele der Hinterbliebenen sind noch immer traumatisiert. Nun ist eine Stiftung gegründet worden, die die Betroffenen bei der Verarbeitung des Unglücks unterstützen will.

Vom Straßenumzug zum Massen-Event

Die Loveparade, 1989 noch ein kleiner Straßenumzug der Berliner Technoszene, ist im Verlauf der Jahre zum Massen-Event geworden. Nach dem Umzug der Loveparade von Berlin nach Duisburg kommt es hier 2010 zu einer Massenpanik. Die Situation gerät außer Kontrolle. 21 Menschen sterben, 500 werden verletzt.

Das Unglück zieht einen juristischen Streit nach sich. Die Staatsanwaltschaft Duisburg erhebt Anklage gegen die Veranstalter, Mitarbeiter der Stadtverwaltung und die Polizei. Ursache des Unglücks seien Planungsfehler bei der Laufroute gewesen, die zu einem Gedränge geführt haben. Einen Schuldigen gibt es jedoch bis heute nicht, das Ermittlungsverfahren dauert an.

Der Redebedarf ist noch immer sehr groß. Das hängt damit zusammen, dass der Prozess immer noch aussteht – das verhindert auch bei vielen, zur Ruhe zu kommen. – Jürgen Widera, Vorstandsmitglied der „Stiftung Duisburg 24.7.2010“

Neben der offenen Schuldfrage, bleibt bei den Betroffenen ein Trauma zurück.

Stiftung Duisburg 24.7.2010 – Hilfe für die Hinterbliebenen

Auf Initiative von Betroffenen ist nun eine Stiftung gegründet worden: die Stiftung Duisburg 24.7.2010. Aufgabe dieser ist in erster Linie die Unterstützung der Hinterbliebenen.

Der Zweck der Stiftung ist es, sicherzustellen, dass Personen, die der Hilfe bedürfen aufgrund der Loveparade-Katastrophe, […] Unterstützung erfahren. – Jürgen Widera, Vorstandsmitglied der „Stiftung Duisburg 24.7.2010“

Teil der Hilfe ist zum Beispiel, dass die Eltern der Verstorbenen Hilfe im Umgang mit den Behörden erhalten. Auch bei der Suche von Therapieplätzen will die Stiftung als eine offene Beratungsstelle für die Betroffenen wirken. Neben den beratenden Aufgaben übernimmt die Stiftung auch die Pflege des Denkmals des Unglücks sowie die Organisation der jährlichen Gedenkfeier.

Finanziert wird die Stiftung durch einen Ratsbeschluss, den die Stadt Duisburg verabschiedet hat. Dadurch werden der Stiftung jährlich 50.000 Euro bereitgestellt. Benötigt wird das Geld für die Organisation der Gedenkveranstaltungen, aber auch für die direkten Beratungsstellen. Neben der Unterstützung der Stadt ist die Stiftung Duisburg 24.7.2010 aber auch auf Spendengelder angewiesen.

Über die Arbeit der Stiftung hat detektor.fm-Moderatorin Anke Werner mit Jürgen Widera gesprochen. Er ist Vorstandsmitglied der „Stiftung Duisburg 24.7.2010“.

Pfarrer Jürgen Widera, DuisburgDie Botschaft ist: Kommt zu uns, wenn ihr Probleme habt. Wir sind dafür da. Jürgen Wideraist Vorstandsmitglied der "Stiftung Duisburg 24.7.2010". 

Redaktion: Theresa Strohbach