Interaktives Wörterbuch für Gebärdensprache

Sprachbarriere durchbrochen?

15.08.2017

Ein interaktives Projekt versucht, ein nutzerfreundliches und sich ständig weiterentwickelndes Online-Wörterbuch für Gebärdensprache zu entwickeln. Technische Hürden haben dies bisher verhindert.

„Problem der Vielfalt“ in der Gebärdensprache

Ein Projekt um den Berliner Programmierer Bodo Tasche hat sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Die Entwicklung von SignDict, einem interaktiven Wörterbuch für Gebärdensprache. Es gibt bereits zahlreiche Online-Wörterbücher. Doch das Nachschlagen einzelner Begriffe ist oft schwierig und nicht zielführend. Außerdem fehlt es an bestimmten Feautures. Die deutsche Gebärdensprache zum Beispiel ist zu vielschichtig, um sie in simplen Einträgen zu einzelnen Wörtern oder Begriffen zu erklären.

Für ein Wort kann es unterschiedliche Äußerungen geben. Genau wie das Deutsche hat die Gebärdensprache eigenständige Dialekte. Die unterschiedlichen Variationen eines einzelnen Wortes bilden die herkömmlichen Wörterbücher aus Platzmangel aber nicht ab.

SignDict setzt auf Interaktion

Um das Problem zu lösen, setzen die Macher auf die Hilfe der Nutzer. Diese können nämlich Einträge ergänzen oder verändern. Besucher der Seite können etwa ihre Gesten per Webcam aufzeichnen und dann direkt hochladen. Das ist ohne großes technisches Vorwissen möglich und macht das neuartige Wörterbuch auch zu einem lebensnahen Werkzeug für die Verständigung von Gehörlosen und Hörenden. SignDict startet mit der deutschen Gebärdensprache, eine Ausweitung auf Gebärdensprachen anderer Länder ist aber das erklärte Ziel.

Persönlicher Antrieb für das Projekt

Für die Entwicklung von SignDict gibt es einen persönlichen Hintergrund: Bodo Tasche selbst ist CODA (Child of Deaf Adult), also ein Kind gehörloser Eltern. Die Deutsche Gebärdensprache ist für ihn Muttersprache, Deutsch hingegen lernte er als Zweitsprache. Das ist für ihn ein wichtiger Antrieb, das Projekt voranzubringen und Kommunikationsbarrieren zu verringern. Erste Ideen für ein solches Wörterbuch hat Tasche bereits 2013 entwickelt, jedoch ist die Technik erst jetzt in der Lage, das Konzept ohne große Probleme für die Nutzer umzusetzen.

Das Projekt richtet sich an zwei Gruppen: Lernende, die am Erwerb der Gebärdensprache interessiert sind, und Gehörlose selbst. – Bodo Tasche, Gründer des Wörterbuch-Projekts SignDict

Im Gespräch mit detektor.fm-Moderator Thibaud Schremser hat Bodo Tasche die Besonderheiten von SignDict erklärt.

Bodo-Tasche-SignDictEs ist ein Tool, wo Gehörlose [...] ihre eigene Gebärdenidentität in einer Online-Form sehen können.Bodo Taschehat das Gebärdensprache-Wörterbuch SignDict entwickelt. 

Redaktion: Lars Feyen