Ist das gerecht? | Erneutes Mordurteil gegen Raser

Hält das Urteil stand?

26.03.2019

Zwei junge Männer fahren mitten in Berlin ein Autorennen, ein Unbeteiligter stirbt. Das erste Mordurteil wurde einkassiert, nun aber wurden die beiden Raser erneut wegen Mordes verurteilt.

Mord durch Rasen?

Bei einem illegalen Autorennen mitten in Berlin stirbt ein Unbeteiligter. Das sorgte 2016 schon für genug Aufsehen, später aber sorgte auch die Gerichtsverhandlung für Wirbel. Zum ersten Mal nämlich plädierte die Staatsanwaltschaft auf eine lebenslängliche Freiheitsstrafe. Der Vorwurf: Mord.

Und das Gericht gab der Staatsanwaltschaft Recht, die beiden Raser wurden wegen Mordes verurteilt. Das hatte es zuvor noch nicht gegeben. Aber das Urteil hält auch nicht lange.

2018 hebt der Bundesgerichtshof (BGH) das ursprüngliche Urteil wegen Mordes auf. Die Richter geben den Fall zurück ans Landesgericht Berlin (LG), weil die Vorsätzlichkeit nicht hinreichend belegt wird. Am Landesgericht wird das Verfahren anschließend wegen einer Befangenheitsklage der Anklage ausgesetzt. Im November 2018 schließlich beginnt die Hauptverhandlung erneut. Und die Staatsanwaltschaft hält an ihrer Mordanklage fest.

Mit dem neuen Urteil ist dieses Verfahren beendet. Das LG hat die beiden Angeklagten nun erneut zu lebenslangen Freiheitsstrafen wegen Mordes verurteilt.

Ich bin mir auch nach wie vor sicher, dass dieses Urteil wieder vom Bundesgerichtshof aufgehoben wird. – Achim Doerfer, Rechtsanwalt

Ende noch nicht in Sicht

Jedoch ist es gut möglich, dass der Fall wieder vor dem BGH landet und erneut evaluiert werden muss. Die Verteidigung hat jedenfalls bereits Revision angekündigt.

Über das erneute Urteil im Raser-Prozess in Berlin spricht detektor.fm-Moderatorin Bernadette Huber mit Rechtsanwalt Dr. Achim Doerfer.

SchmähkritikIm Rechtstaat muss gelten, dass man in so einem Fall, wo es lebenslänglich geben kann, ganz zweifelsfrei nachzuweisen hat, dass die beiden zumindest ein Stück weit jemanden mit Vorsatz getötet haben, aber das halte ich für nicht nachweisbar. Achim Doerferwird jede Woche von uns gefragt: ist das gerecht?  

Redaktion: Lia Rogge, Johannes Rau