Ist das gerecht? | Fristlose Kündigung wegen Vermüllung

Wo liegt die Grenze?

09.10.2018

Weil sie ihre Wohnung hat verwahrlosen lassen, wurde eine Mieterin in München aus ihrer Wohnung rausgeworfen. Die Haushaltsführung ist zwar grundsätzlich Privatsache – kennt aber auch juristische Grenzen.

Fristlose Kündigung schon im Februar

Der Zustand der Wohnung ist verheerend, als die Vermieterin sie das erste Mal betritt. Dreck und Abfall verteilt auf jedes Zimmer, Schimmelbefall, Schädlinge und Insektennester sowie ein dauerhaft laufender Wasserhahn und durchnässte Böden. Hinnehmen wollte sie den Zustand der Wohnung nicht, die Mieterin hatte eine fristlose Kündigung erhalten.

Das war bereits Anfang des Jahres. Doch die Mieterin hat sich der Kündigung widersetzt: Es sei ihr gutes Recht, unordentlich zu sein. Zwar hat sie den schlechten Zustand der Wohnung nicht geleugnet, aber auch nicht eingesehen, dass sie deswegen rausgeworfen wird. Angeblich hatte sie bereits eine große Renovierung geplant und die Vermüllung sei nur eine vorübergehende Situation.

Gravierende Vermüllung

Auf die Vermieterin aber kommen aufgrund der Verwahrlosung erhebliche Kosten zu. Kann man da noch von einem verübergehenden Zustand ausgehen?

Wer da sagt, das ist alles in Ordnung und ich hab alles im Griff, der hat im Grunde den Zugriff auf die Realität verloren. Und das ist ja auch das Traurige, dass man vielleicht hier auch gar keinen Vorwurf machen kann, weil die Mieterin es in dem Moment eben einfach nicht anders hinbekommt. – Achim Doerfer, Rechtsanwalt

Gericht gibt Vermieterin Recht

Das Amtsgericht München hält die Erklärungen der Mieterin nicht für glaubwürdig und hat ein Urteil gefällt: Die fristlose Kündigung ist gerechtfertigt. Weiterhin heißt es, Mieter haben kein grundsätzliches Recht auf Unordnung.

Doch ist eigentlich gesetzlich geregelt, wann die Grenze erreicht ist und man rausgeworfen werden kann? Darüber hat detektor.fm-Moderatorin Anja Bolle mit Rechtsanwalt Achim Doerfer gesprochen.

ist Rechtsanwalt und unser Experte für die Serie "Ist das gerecht?"Da kann man vielleicht den Tipp geben, an beide Parteien: Rechtzeitig Hilfe suchen. Man muss es ja gar nicht erst so weit kommen lassen. Achim Doerferhält in solchen Fällen eine bessere Lösung für möglich. 

Redaktion: Irma Klundt


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