Ist das gerecht? | Samenspende – die eigene Herkunft kennen

Warum Kinder wissen dürfen, wer ihr Erzeuger ist

17.02.2015

Dürfen Samenbanken Minderjährige abweisen, die wissen wollen, wie ihr biologischer Vater heißt? Der Bundesgerichtshof sagt: Nein, Anonymität hat Grenzen. Ein Gespräch über die Folgen dieses Urteils mit Rechtsanwalt Achim Doerfer.

Zum täglichen Geschäft von Samenbanken gehört, dass die Spender auf Wunsch anonym bleiben können. Demgegenüber steht das Recht eines Kindes, sich über seine (biologische) Herkunft zu informieren. Dazu gehört, den Namen des eigenen Vaters zu kennen. Schon 1989 hatte der Bundesgerichtshof Kindern dieses Recht zugestanden – in einem neuen Urteil aus Karlsruhe ist es noch einmal gestärkt worden.

Zu jung, um seinen Vater nach einer Samenspende kennen zu dürfen?

Zwei Mädchen aus dem Raum Hannover, die durch eine Samenspende gezeugt worden sind, haben 2013 eine Reproduktionsklinik verklagt, weil diese ihnen keine Angaben zur Identität ihres biologischen Vaters machen wollte. Der Fall landete zuerst beim Amtsgericht Hameln, das der Klage stattgab. Schon nach wenigen Monaten ist das Urteil – diesmal vom Landgericht Hannover – wieder kassiert worden. Nach Ansicht der Landesrichter kann dieses Auskunftsrecht erst dann geltend gemacht werden, wenn man mindestens 16 Jahre alt sei. Die beiden Klägerinnen sind daraufhin in Revision gegangen.

Bundesgerichtshof verwirft Altersgrenze

Zuletzt hat sich der Bundesgerichtshof mit der Klage beschäftigt. Das Urteil: Es ist kein Mindestalter erforderlich, um einen Anspruch über eine Samenspende zu erheben.  Mehr noch: Die Richter betonten, wie wichtig es für die Entfaltung der Persönlichkeit des Kindes ist, seinen biologischen Vater zu kennen. Und die Persönlichkeitsentfaltung ist verfassungrechtlich geschützt. Damit gewinnt die Rechtsposition des Kinders besonders an Gewicht, wenn es darum geht, die rechtlichen Belange der Beteiligten abzuwägen.

In unserer Serie „Ist das gerecht?“ hat unsere Moderatorin Maj Schweigler mit Rechtsanwalt Achim Doerfer über das Urteil des Bundesgerichtshofs und die Konsequenzen gesprochen.

Achim DoerferDr. Achim Doerferist Rechtsanwalt und unser Mann für "Ist das gerecht?" 
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