Kaum Chefs aus Ostdeutschland

Brauchen wir eine Ost-Quote?

13.11.2017

Auch 28 Jahre nach dem Mauerfall haben Ostdeutsche auf dem Arbeitsmarkt weniger Chancen als Westdeutsche. In Führungspositionen sind sie massiv unterrepräsentiert. Woran liegt das und was muss sich ändern?

Kaum Ostdeutsche in Führungseliten

Die mächtigste Frau der Bundesrepublik kommt aus der Uckermark – aus Ostdeutschland. Doch damit steht sie fast alleine da. Egal ob in Politik, Wirtschaft, oder Justiz – Ostdeutsche sind in Führungspositionen auch 28 Jahre nach der Wiedervereinigung noch unterrepräsentiert. Das berichten Soziologen in einer kürzlich erschienenen Studie der Deutschen Gesellschaft. Insgesamt besetzen Ostdeutsche nur 1,7 Prozent der Spitzenpositionen. Das ist weit weniger, als es ihrem Anteil in der Bevölkerung entspricht: Repräsentativ wäre ein Anteil von 17 Prozent. Auch in den neuen Bundesländern selbst sieht es nicht viel besser aus: Nur 13,3 Prozent der Richter sind Ostdeutsche.

Da denke ich schon, das könnte sich langfristig zu einem Problem für die Demokratie auswachsen. – Ronald Gebauer, Sozialwissenschaftler

Nicht nur Nachwirkungen der Wende

Die Ursachen des Problems liegen einerseits in den Entwicklungen nach der Wende. Die Parteimitglieder, die viele der führenden Positionen innehatten, wurden durch Westdeutsche ausgetauscht. Doch das ist nicht der einzige Grund, denn auch im Westen liegt die Chancengleichheit noch weit entfernt. Woran liegt es also, dass Ostdeutsche es noch immer schwer haben, in Spitzenpositionen aufzusteigen?

Wenn die Stellen bundesweit ausgeschrieben werden, gibt es sowieso immer mehr Westdeutsche im Bewerberpool – aber auch starke Netzwerke. – Ronald Gebauer

Man kennt sich also und bleibt unter sich – nicht aus böser Absicht, aber trotzdem zum Nachteil ostdeutscher Bewerber.

Was muss sich ändern?

Eine Lösung könnte die Ossi-Quote sein, oder die positive Diskriminierung von Bewerbern aus Ostdeutschland. Viel Anklang finden diese Vorschläge allerdings nicht.

Ich würde sagen, Ostdeutsche sind heute so gut ausgebildet, dass sich eher in den Führungsetagen oder bei den Personalern sich etwas ändern sollte. – Ronald Gebauer

Ob es Alternativen gibt und wo die Politik ansetzen müsste, um endlich auch auf dem Arbeitsmarkt für Gleichstellung zu sorgen, das hat detektor.fm-Moderator Christian Eichler mit dem Sozialwissenschaftler Ronald Gebauer besprochen. Er hat an der Uni Jena zu ostdeutschen Eliten geforscht.

Ronald Gebauer, Sozialwissenschaftler von der Universität Jena. Foto: Ronald GebauerWir haben eine Generation von gut ausgebildeten Ostdeutschen. Es ist nur ein Zeichen von Chancengleichheit und von Demokratie, dass man sich öfter für Ostdeutsche entscheidet.Dr. Ronald Gebauerforscht im Rahmen eines Expertenforums zum Thema Ostdeutsche Eliten.