Elf Priester: Katholische Kirche ohne Zölibat

"Eigentlich ist es ein Trauerspiel"

16.01.2017

Immer wieder gerät die katholische Kirche mit ihren konservativen Vorstellungen in die Kritik. Jetzt fordert eine Gruppe von Priestern tiefgreifende Reformen.

Das Priesteramt für Frauen und ein Leben als Priester ohne Zölibat? Für viele katholische Geistliche unvorstellbar. Jetzt fordern elf Priester von ihrer eigenen Kirche eine zeitgemäße Weiterentwicklung.

„Rückblick und Perspektiven“

Am 27. Januar 2017 feiern elf Priester aus Köln das 50-jährige Jubiläum ihrer Priesterweihe. Das ist für sie Anlass, auf ihre Zeit als Teil der katholischen Kirche zurückzublicken und zu schauen, ob sich ihre Hoffnungen und Erwartungen erfüllt haben. Zusammengefasst haben sie das in einem offenen Brief mit dem Titel „Rückblick und Perspektiven“, der beim Kölner Stadt-Anzeiger veröffentlicht worden ist.

Ihr Studium haben sie einst unter Papst Johannes XXIII. begonnen und sich über die Öffnung der Kirche gefreut, die jedoch nicht lange angehalten hat. Im Brief heißt es: „Leider nahmen später bei Kirchenmännern in Rom und auch im Kölner Bistum die Ängste zu. Eine Art von Bunkermentalität sollte den Glauben sichern.“

Junge Familien und Jugendliche besuchen die Gottesdienste fast gar nicht mehr, bedauern die elf Priester, die sich seit ihrer Priesterweihe etwa einmal im Monat treffen.

Kein Zölibat und Priesteramt für Frauen

Doch für Wirbel um den Brief sorgen vor allem die darin aufgelisteten Forderungen. Neben einer verständlicheren Sprache in den Gottesdiensten und dem gemeinsamen Abendmahl von Protestanten und Katholiken, verlangen die Priester auch die Zulassung von Frauen im Priesteramt. Denn es habe keinen Sinn, „den Heiligen Geist ständig um Berufungen zu bitten und gleichzeitig alle Frauen von diesen Ämtern auszuschließen.“

Außerdem fordern sie die Abschaffung des Zölibats, also das Versprechen der Ehelosigkeit. Vor allem im höheren Alter sehen sie Nachteile des Zölibats: die Einsamkeit der Ehelosigkeit. Der ursprüngliche Gedanke, der hinter dem Zölibat steht, dem Beispiel Jesu zu folgen und mehr Zeit für seinen Glauben und die Gemeinde zu haben, führt demnach in unserer heutigen Gesellschaft zu Vereinsamung. Oder die Priester stürzen sich in ihre Arbeit, ohne dort Frieden und Spiritualität zu finden.

Weiterentwicklung der Kirche

Kann sich die konservative katholische Kirche überhaupt modernisieren? Viele Gläubige hoffen auf den reformfreudigen Papst Franziskus. Was dem im Weg steht und warum die Priester den Weg in die Öffentlichkeit gewählt haben, das hat detektor.fm-Moderator Alexander Hertel mit Wilhelm Hoffsümmer besprochen. Er ist Pfarrer und einer der elf Priester.

Pfarrer Wilhelm HoffsümmerIn den letzten 50 Jahren haben wir immer wieder die Forderungen erhoben. Das hat aber nicht viel gebracht.Priester Wilhelm Hoffsümmersetzt sich für die Weiterentwicklung der Kirche ein.