Verschleiern deutsche Bistümer ihre Finanzen?

Die Bilanzen des Herrn sind unergründlich

10.04.2015

Der Skandal um den ehemaligen Bischof von Limburg hat römisch-katholische Diözesen vorsichtig gemacht. Um weitere schlechte PR zu vermeiden, legen Bistümer wie das reiche Erzbistum Köln ihre Finanzen offen. Nach Berichten der ARD verheimlichen deutsche Diözesen aber weiterhin, wie vermögend sie wirklich sind.

Finanzen deutscher Diözesen werfen Fragen auf

Spätestens seit der ehemalige Bischof des Bistums Limburg, Franz-Peter Tebartz-van Elst, die wachsenden Kosten für seine Bischofsresidenz vertuscht hat, blickt die Öffentlichkeit argwöhnisch auf die kirchlichen Finanzen.

Einige Diözesen versuchen jetzt, den Forderungen nach mehr Transparenz nachzukommen. Ein Beispiel: Das Erzbistum Köln, welches als das reichste deutsche Bistum gilt. Im Februar hat es eine Bilanz über seine Vermögenswerte veröffentlicht. Unterm Strich stehen da fast dreieinhalb Milliarden Euro. Aufgezogen und geprüft wurde diese Bilanz wie ein ganz normaler Geschäftsbericht. Dennoch gibt es Zweifel daran, dass sie das tatsächliche Vermögen abbildet.

Transparenzoffensive oder Augenwischerei?

Da sich die Bilanz des Kölner Erzbistums am Handelsgesetzbuch orientiert, nach dem sich beispielsweise auch Kapitalgesellschaften richten, kann auch das Bistum tricksen. Denn die dazugehörigen Regeln lassen es zu, dass sich der Wert der Immobilien, und somit auch das tatsächliche Vermögen, ganz legal klein rechnen lassen. So können die Immobilien Jahr für Jahr abgeschrieben werden, bis sie nach einiger Zeit mit dem Erinnerungswert von einem Euro in der Bilanz stehen.

Die von Köln ausgewiesenen drei Milliarden – also eher eine Mindestgröße? Das scheint schon deswegen wahrscheinlich, da die Besitztümer der einzelnen Kirchengemeinden des Bistums in der vorgelegten Bilanz gar nicht aufgeführt sind.

Heimliche Millionen, heimliche Milliarden?

Recherchen von ARD bzw. des WDR zeigen, dass römisch-katholische Bistümer trotz „Transparenzoffensive“ Vermögenswerte in Millionenhöhe unter den Tisch fallen lassen. Interessant ist, dass sie das auf legalem Wege tun.

Die Kirche sitzt da so zwischen Baum und Borke: Sie sind jetzt durch Tebartz-van Elst in eine Transparenzoffensive gegangen (…), aber sie fürchten sich natürlich, dass zu viel deutlich wird. (…) In Deutschland haben wir die Tradition, dass nur eine arme Kirche glaubwürdig ist. – Autor Carsten Frerk

Haben deutsche Bistümer was zu verheimlichen? Diese Frage haben wir zwei Autoren gestellt, die sich seit mehreren Jahren mit diesem Thema beschäftigen. Über den letzten „Geschäftsbericht“ des Erzbistums Köln und mögliche heimliche Vermögen kirchlicher Rechtsträger hat detektor.fm-Moderatorin Doris Hellpoldt mit Autor Dr. Carsten Frerk gesprochen.

Carsten Frerk _ C _ Evelin FrerkDie Vermächtnisse, die Spenden, die Klingelbeutel würde es beeinträchtigen, wenn deutlich werden würde, wie vermögend die Kirchen wirklich sind.Carsten Frerkglaubt, dass die Kirchen trotz Transparenzoffensive auch weiterhin nur zurückhaltend über ihre Finanzen sprechen. Foto: privat 

Außerdem hat sich detektor.fm-Redakteur Lucas Kreling mit Prof. Dr. Horst Herrmann unterhalten. Der Schriftsteller, Soziologe und Kirchenrechtler schreibt seit 1972 über Kirchenfinanzierung und -vermögen.

Horst Herrmann _ C _ Evelin FrerkEs gibt noch riesige Schlupflöcher und riesige Geheimkammern, in denen Millionen, wenn nicht Milliarden versteckt werden können.Horst Herrmannsieht hinter dem Verhalten von Bistümern und Gemeinden eine Taktik der Vertuschung. Foto: Evelin Frerk