Kopten in Ägypten: Kathedrale eröffnet

Hoffnung für die verfolgte Minderheit?

Die neue koptische Kathedrale in der Nähe von Kairo soll die größte Kirche im Nahen Osten sein. Bedeutet sie auch eine Verbesserung für die Minderheit der Kopten in Ägypten?

Kopten: Ägypter, die keine sein sollen

Die christlichen Kopten nennen sich selbst „kubti“, was Ägypter bedeutet. Mit zehn Prozent Anteil an der Bevölkerung stellen sie aber eine Minderheit in dem Land dar. Und dort sind sie gegenüber der muslimischen Mehrheit stark benachteiligt. Vor allem in den letzten Jahren wurden koptische Gemeinden immer wieder Opfer von extremistischen Anschlägen. Und durch ungesetzliche Kirchenschließungen und das Benachteiligen in der Politik sind die Kopten in Ägypten auch struktureller Diskriminierung ausgesetzt.

Die Extremisten hoffen, zwischen Muslime und Christen einen Keil zu treiben, indem sie massive Anschläge gegen Christen unternehmen. – Asiem El Difraoui, Politikwissenschaftler und Autor

Präsident der Minderheit?

Der ägyptische Präsident Abd al-Fattah as-Sisi zeigt sich gegenüber der christlichen Minderheit im Land betont offen. Der muslimische Ex-General hat sich in der Vergangenheit vermehrt für die Akzeptanz von Kopten eingesetzt. So hat er zum Beispiel 2015 eine dreitägige Staatstrauer für einen ermordeten koptischen Gastarbeiter ausgerufen. Aber das alles steht unter dem Schatten seiner Repressionspolitik.

Politologe und Drehbuchautor Foto: © Körber-Stiftung/David AusserhoferAs-Sisi ist ägyptischer Nationalist und möchte ein geeintes Volk hinter sich stehen haben. Und er hat natürlich mit der Eröffnung dieser größten Kathedrale der arabischen Welt ein Zeichen gesetzt, dass er sich vermutlich wirklich für etwas mehr Gleichberechtigung einsetzt.Asiem El Difraouiist für sein Buch "Ein neues Ägypten? Reise durch ein Land im Aufruhr" in vielen Ecken Ägyptens gewesen.Foto: Körber-Stiftung | David Ausserhofer 

Koptische Kathedrale als Unterstützung

Am 6. Januar hat as-Sisi jetzt an dem Gottesdienst in der neu eröffneten koptischen Kathedrale teilgenommen. Auch an der Finanzierung des Baus hatte sich der Staat beteiligt. Die Kathedrale soll die größte christliche Kirche im Nahen Osten sein. Aber ist das alles nur nettgemeinte Symbolpolitik – oder verändert sich durch den Bau tatsächlich etwas für die Kopten?

Über die Eröffnung der koptischen Kathedrale in der Nähe von Kairo hat detektor.fm-Moderator Christian Erll mit dem Politikwissenschaftler Asiem El Difraoui gesprochen. Er ist außerdem Mitherausgeber des Magazins Zenith.

Redaktion: Mona Kellermann