Krebsmafia – Dubiose Geschäfte in der Medizin

"Die Gewinnmargen sind beträchtlich"

01.03.2016

Zwei Apotheker, ein Pharmahändler und ein Arzt verhandeln im Geheimen, wie sich mit Krebsmedikamenten möglichst viel Profit machen lässt. Investigativ-Reporter von Stern und NDR haben diese unlauteren Geschäfte der Krebsmafia aufgedeckt. Ein Einzelfall – oder ein weitverbreitetes Problem?

Für die Recherche von Stern und ARD-Panorama lässt sich ein Arzt auf einen Handel mit einem Pharmahändler und zwei Apothekern ein. Das Treffen wird durch das Journalistenteam von Stern und ARD mit einer versteckten Kamera aufgezeichnet.

Das Modell der „Krebsmafia“

Der Pharmahändler erklärt im Gespräch das Modell dieses dubiosen Handels so:

  • Ein Pharmahändler spricht sich mit einem Arzt ab.
  • Der Arzt schickt Patienten zu einer bestimmten Apotheke
  • Der Pharmahändler erhält dadurch die Möglichkeit, diese Apotheke mit dem angeforderten Wirkstoff zu beliefern.
  • Der Arzt bekommt als Gegenleistung einen Anteil der Gewinne.

Nach diesem Modell entsteht ein unlauteres Dreieck zwischen Pharmahändler, Ärzten und Apothekern. Der Arzt bekommt seine Provision auf ein anonymes Konto einer Treuhandgesellschaft überwiesen und kann sich sein Geld dann bar auszahlen lassen.

Das Journalistenteam von Stern und ARD-Panorama hat für die Recherchen eigens einen Arzt in die Verhandlungen geschickt. Er wurde bereits vor Beginn der Recherche angeworben und ging nur zum Schein auf das Treffen ein. Das Beispiel zeigt aber, wie leicht solche dubiosen Geschäfte in der Krebsmedizin sind.

Es kann nicht sein, dass sich ganz normale niedergelassene Ärzte bestechen lassen können und dürfen in Deutschland. – Wigbert Löer, Mitglied im Team Investigative Recherche des Stern

Lücke in der Gesetzesgrundlage

Um so eine Korruption im Gesundheitswesen zu verhindern, ist bereits 2015 ein Gesetzesentwurf durch das Justizministerium vorgelegt worden. Der Entwurf ist besonders bei den Lobbyisten von Ärztekammern, Apothekern und der Pharmaindustrie auf heftigen Widerstand gestoßen. Doch selbst wenn das Anti-Korruptionsgesetz kommen sollte: Das Gesundheitssystem ist komplex und wenig transparent, auch mit dem neuen Gesetz bleiben Grauzonen.

Das Investigativ-Team des Stern hat zusammen mit dem ARD-Panorama-Magazin eine weitere Affäre der „Krebsmafia“ aufgedeckt. Über die Ergebnisse der Recherche hat detektor.fm-Moderator Alexander Hertel mit Wigbert Löer gesprochen. Er arbeitet als Journalist für den Stern und war an der Aufdeckung der Krebsmafia-Affäre beteiligt.

Wigbert LöerAber da gibt es natürlich viele gesellschaftliche Gruppen, die ein Interesse haben, dass so ein Anti-Korruptionsgesetz nicht entsteht. Wigbert Löerist Mitglied im Team Investigative Recherche des Stern. 

Redaktion: Theresa Strohbach