Kleingarten mit Haus: Kündigungsschutz für Datschen-Besitzer läuft aus

Wem gekündigt wird, der wird entschädigt

13.04.2015

Die Datschen sind ein Überbleibsel der DDR. Den Pächtern der Garten-Grundstücke mit Wochenendhaus durfte bislang vom Eigentümer nicht gekündigt werden. Das wird sich jedoch bald ändern.

Datsche ist nicht gleich Kleingarten

In der DDR sind viele Gartengrundstücke mit Wochenendhaus, sogenannte Datschen, auf Grundstücken gebaut worden, deren Besitzverhältnisse unklar waren. Einige gehörten vorher DDR-Bürgern, die in den Westen geflüchtet sind. Andere Eigentümer sind von der DDR enteignet worden. Manchmal ist es auch einfach vollkommen unklar, wer der eigentliche Eigentümer ist.

Auf diesen Grundstücken sind zu DDR-Zeiten kleine Sommer- oder Wochenendhäuser gebaut worden. Dort haben sich hunderttausende Menschen regelmäßig entspannt. Nach dem Fall der Mauer haben sich die Politiker auf einen Kompromiss geeinigt. Den aktuellen Besitzern der Häuser, sogenannter Datschen, durfte für eine gewisse Zeit nicht von den Alteigentümern gekündigt werden. Bis heute genießen viele diesen besonderen Kündigungsschutz. Doch dieser wird in diesem Jahr am 4. Oktober 2015 wegfallen.

Voraussichtlich keine Kündigungs-Welle

Die Entscheidung sorgt bei vielen Datschen-Besitzern für Unruhe. Denn sie fürchten, aus ihrem über Jahrzehnte gewachsenen Wochenendreich vertrieben zu werden. Doch in den meisten Fällen ist das sehr unwahrscheinlich: Denn die Eigentümer der Datschen müssen meist nur mit einer Kündigung rechnen, wenn der Grundstückseigentümer oder ein Verwandter das Grundstück selbst nutzen will. Zudem liegen viele Datschen außerhalb der Stadt. Der Grundstückseigner hätte somit nichts davon, dem Pächter zu kündigen, denn häufig dürfen hier sowieso keine Neubauten entstehen. Wem aber doch eine Kündigung ins Haus flattert, den muss der Alteigentümer zumindest für den Verlust des Gebäudes entschädigen – schließlich haben die Datschen-Besitzer meist viel Zeit und Geld in die Häuser investiert.

Über das Ende des Kündigungsschutzes bei Datschen hat detektor.fm-Moderatorin Maj Schweigler mit Holger Becker vom Verband Deutscher Grundstücksnutzer gesprochen. Der Verband ist nach eigener Aussage: „1994 im Kampf gegen Diskriminierung und Enteignung der ostdeutschen Grundstücksnutzer entstanden.“

Holger BeckerDie meisten Datschen liegen in Ecken, wo nichts Neues gebaut werden darf. Dort ist die Datsche das einzige, woraus der Eigentümer eine Rendite ziehen kann.Holger Beckervom Verband Deutscher Grundstücksnutzer. 

Redaktion: Javan Wenz