Mehr Ehen, weniger Scheidungen: Trendwende?

Sieg der Liebe?

12.07.2018

Justin Bieber hat sich verlobt. Und damit liegt er durchaus im Trend, zumindest in Deutschland. Hier heiraten immer mehr Menschen, die Zahl der Scheidungen sinkt. Was ist los mit der "Generation beziehungsunfähig"?

Zahl der Scheidungen sinkt

Laut einer Übersicht des Statistischen Bundesamtes heiraten die Deutschen immer häufiger. Gleichzeitig sinkt die Zahl der Scheidungen. So niedrig wie 2017 war der Stand der jährlichen Scheidungen seit 25 Jahren nicht mehr: 135.000 Ehepaare reichten im letzten Jahr die Scheidung ein. Das sind 5,5 Prozent weniger als noch im Jahr davor.

Das hat zum einen den Grund, dass das Heiratsalter gestiegen ist und je später man heiratet, desto stabiler ist die Ehe. Man kann auch sagen, dass heutzutage nur noch diejenigen heiraten, die eine relativ stabile Beziehung haben. Michael Wagner, Professor für Soziologie und Sozialpsychologie

Keine Trendwende

Die Motive für eine Eheschließung haben sich also geändert. Es geht nicht mehr um finanzielle Absicherung und den Wunsch nach Sicherheit, sondern um gemeinsame Ziele wie Familiengründung. Außerdem haben die Menschen oft schon mehr Erfahrungen gesammelt, bevor sie heiraten. Das sind Faktoren, die eine Ehe stabiler machen können.

Es ist seit langem schon so, dass diejenigen heiraten, die eine Familie gründen wollen […] Wenn Kinder da sind, ist es häufig noch so, dass man sich absichern will dagegen, dass die Beziehung vorschnell aufgelöst wird. Michael Wagner

Man könnte also vermuten, dass es in Deutschland eine Rückbesinnung auf traditionelle Werte wie die Ehe stattfindet. Tatsächlich wird aber immer noch jede dritte Ehe geschieden. Obwohl die Zahl der Scheidungen also sinkt, ist die durchschnittliche Scheidungsrate immer noch sehr hoch. Und auch wenn mehr Menschen heiraten, ist der Anstieg zu gering, um von einer echten Trendwende zu sprechen.

Über Eheschließung und Scheidungsraten hat detektor.fm-Moderator Christian Eichler mit Michael Wagner gesprochen. Er forscht am Institut für Soziologie und Sozialpsychologie der Uni Köln.

Zunächst mal würde ich nicht von einer Trendwende sprechen, dafür ist es noch zu früh. Aber man kann vielleicht sagen, dass der Ansteig der Scheidungsraten gestoppt ist.Michael Wagner forscht am Institut für Soziologie und Sozialpsychologie der Uni Köln.