Frankreich rettet Lebensmittel per Gesetz

Den Camembert vor der Tonne bewahren

08.02.2016

In Frankreich sind große Supermärkte zukünftig per Gesetz dazu verpflichtet, Lebensmittel zu spenden, die sie nicht verkaufen konnten. In Deutschland gibt es bisher nur freiwillige Kooperationen. Sind deutsche Händler bereit für eine gesetzliche Regelung, um die Verschwendung von Lebensmitteln zu vermeiden?

30 Kilo Brot, Äpfel und Käse – so viele Lebensmittel werden in Frankreich pro Kopf jedes Jahr weggeworfen. Und das, obwohl vieles, das irgendwann in der Tonne landet, noch essbar ist.

Einstimmig hat der französische Senat deshalb nun ein Gesetz beschlossen, das die Verschwendung von Lebensmitteln eindämmen soll. Es verpflichtet Händler von großen Supermärkten ihre abgelaufenen Lebensmittel an Hilfsorganisationen und Tafeln zu spenden.

Freiwillige Kooperation oder gesetzliche Regelung?

Bei Verstößen drohen Geld- und sogar Gefängnisstrafen von bis zu zwei Jahren. Die Regierung ist streng: Sie will die Abfallmenge bis zum Jahr 2025 halbieren.

Hierzulande gibt es bis jetzt nur freiwillige Kooperationen zwischen Händlern und Tafeln. Manchen reicht das nicht: Beim „Containern“ holen sich Aktivisten das Essen aus den Tonnen der Supermärkte – in Deutschland kann das allerdings bestraft werden.

Wer ist Schuld an der Verschwendung von Lebensmitteln?

Der Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels sieht dabei in erster Linie nicht die Händler, sondern die Privathaushalte in der Pflicht. Denn hier werden die meisten Lebensmittel weggeworfen.

Der Großteil der Verluste geschieht in den privaten Haushalten und nicht im Handel. – Franz-Martin Rausch

Das neue Gesetz in Frankreich zielt trotzdem auf die Supermärkte ab. Denn durch die Verpflichtung der großen Handelsketten kann sehr viel Essen auf einmal gerettet werden. Außerdem können Supermärkte leichter kontrolliert werden als Millionen von Privatpersonen.

Doch auch die Privathaushalte bleiben von der französischen Initiative nicht verschont. Da auf sie immer noch der Großteil der weggeworfenen Lebensmittel entfällt, wird das Wegwerf-Verbot im Handel durch Bildungsarbeit in Schulen ergänzt.

Kritik von zwei Seiten

Kritik am neuen Gesetz kommt auch von Umweltverbänden. Der WWF kritisiert, dass die Entsorgung der abgelaufenen Lebensmittel somit auf Hilfsorganisationen abgewälzt werde.

82 Kilo genießbare Lebensmittel werden pro Kopf jedes Jahr in Deutschland weggeworfen. In Frankreich werden Supermärkte nun zum Spenden der Lebensmittel verpflichtet. Ob die Händler hierzulande ein ähnliches Gesetz unterstützen würden, darüber hat detektor.fm-Moderator Thibaud Schremser mit Franz-Martin Rausch gesprochen. Er ist Geschäftsführer des Bundesverbandes des Deutschen Lebensmittelhandels.

Rausch_Lebensmittel_BVLHWenn etwas freiwillig gut funktioniert, sollte man es nicht gesetzlich regeln.Franz-Martin Rauschist Geschäftsführer des Bundesverbands des Deutschen Lebensmittelhandels. 

Redaktion: Sebastian Kränzle