Netzhelden | Hoffnung: Können Antibiotika Depression lindern?

Krank an der Seele – was tun?

29.05.2017

Antibiotika nimmt man ein, wenn man eine schwere bakterielle Infektion hat. Doch das Medikament könnte bald auch gegen eine ganz andere Krankheit eingesetzt werden: Depressionen. Forscher vermuten, dass auch dafür Entzündungen ursächlich sein können.

Psychische und physische Krankheit

Rund vier Millionen Menschen sind in Deutschland von Depression betroffen. Und es werden jährlich mehr. Depressive Menschen leiden unter einer dauerhaften niedergeschlagenen Stimmung. Sie sind antriebslos. Was für gesunde Menschen das Normalste der Welt ist, kann für depressive Menschen zur größten Hürde werden: Aufstehen, Einkaufen, Aufräumen… Oft kommen noch Schlafstörungen dazu, was die Menschen noch schlapper werden lässt. Und weil auch der Appetit betroffen ist und Psychopharmaka oft Einfluss auf das Gewicht haben, wird das ohnehin schon mangelnde Selbstwertgefühl noch mit Unsicherheit den eigenen Körper betreffend belastet.

Mit anderen Worten: es handelt sich um eine der schwierigsten – und am schwersten zu verstehenden – Krankheiten, die wir kennen. Ist die Krankheit ernsthafter ausgebrochen, sind Betroffene oft kaum in der Lage, dem Alltag ohne fremde Hilfe Herr zu werden. Bei vielen kommen irgendwann auch Suizidgedanken dazu. Und da eine Depression selten vollends geheilt werden kann und oftmals wiederkehrend auftritt, ist klar: die Wissenschaft muss hier schleunigst Fortschritte bringen.

Die Ursachen dieser Krankheit sind ebenso vielfältig wie die Symptome. Einig sind sich Forscher darin, dass die auslösenden Faktoren einer Depression weit verzweigt und individuell unterschiedlich sind. Ein Todesfall in der Familie kann ebenso Ursache sein, wie eine körperlichen Erkrankung. Und genau an diesem Punkt wird es für Forscher interessant. Sie meinen, auch Entzündungen im Körper können Grund für eine Depression sein.

Depression durch Entzündungen

Im Blut von Depressionspatienten sind meist große Mengen Cortisol nachweisbar. Und dieser Cortisol-Spiegel bleibt konstant auf hohem Niveau, wenn Menschen dauerhaft von psychischem Stress betroffen sind.

Dieses Stresshormon kann Entzündungen verursachen. Deshalb gehen die Forschenden davon aus, dass der konstant hohe Entzündungswert für depressive Symptome verantwortlich ist. – Josefine Schummeck, Redakteurin bei ze.tt

Deshalb glauben die Wissenschaftler, dass möglicherweise Antibiotika gegen Depressionen helfen können.

Wundermittel Antibiotika?

Antibiotika wirken grundsätzlich gegen bakterielle Infektionen. Man nimmt sie ein, wenn etwas im Körper entzündet ist. Was also gegen eine Entzündung der Lunge hilft, könnte nach diesen Erkenntnissen auch gegen eine Entzündung der Seele helfen.

Dieser Vermutung wollen Wissenschaftler in einer deutschlandweiten Studie auf den Grund gehen. Den Teilnehmern wird dafür seit 2015 Minocyclin verabreicht. Das Antibiotikum setzt am Immunsystem des Gehirns an. Bisher haben jedoch erst 25 Personen an der Studie teilgenommen. Bis zum Ende der Untersuchung 2019 werden noch weitere Teilnehmer gesucht, um eindeutige Ergebnisse erzielen zu können.

Wie vielversprechend die Forschung ist, hat detektor.fm-Moderatorin Doris Hellpoldt Josefine Schummeck von ze.tt gefragt. Die Redakteurin hat zum Thema recherchiert.

Netzhelden_JosefineSchummeckDie Forschenden hoffen, dass man so noch mehr Patienten mit einer Depression helfen kann. Josefine Schummeck ist Redakteurin bei der Onlineplattform ze.tt und hat sich mit dieser Forschung beschäftigt.  

Redaktion: Charlotte Glück