Netzhelden | Schizophrenie

Zwischen Sensibilität und Wahrnehmungsstörung

12.12.2016

In Deutschland leiden rund 800.000 Menschen an Schizophrenie. Es ist eine psychische Störung, deren Ursprung nicht genau ermittelt werden kann. Schizophrenie kann sich in unterschiedlichsten Facetten zeigen. Wir haben darüber mit den ze.tt-Kollegen gesprochen.

Unbekannte Schizophrenie

Woher Schizophrenie kommt, was sie auslöst und wie sie sich zeigt, ist bis heute nicht ganz klar. Die Bundes-Psychotherapeuten-Kammer beschreibt mehrere Faktoren, die eine Schizophrenie auslösen können. Zum einen gibt es genetische oder biologische Faktoren. Es können aber auch psychische Faktoren eine Rolle spielen etwa der Verlust eines geliebten Menschen. Aber auch der Konsum von Drogen und dauerhafter Stress können laut Experten zum Ausbruch führen.

Symptome

Auch bei den Symptomen gibt es unterschiedliche Ausprägungen. Manche Betroffene berichten von emotionalen Veränderungen. Schnelle Reizbarkeit oder unbegründetes Misstrauen sind dabei nur einige Beispiele. Es sind aber oft diese frühen Anzeichen, die meist nicht als Vorstufe der Schizophrenie erkannt werden. Sie treten häufig im Alter von 15 bis 25 Jahren auf, kollidieren dabei mit lebensverändernden Phasen und werden so übersehen. Akut wird die psychische Störung erst dann, wenn Halluzinationen oder Verfolgungswahn eintreten. Die Schizophrenie drängt sich zunehmend in den Alltag und beeinflusst die Handlungen. Am Ende kann sie betroffene Menschen vollkommen handlungsunfähig machen.

Verstehen lernen

Die Anfänge der Schizophrenie als „Schwachsinn“ oder „Spinnerei“ abzutun, kann fatal sein. Denn die Störung beeinflusst nicht nur den Alltag der Betroffenen. Für Angehörige ist der Umgang mit schizophrenen Menschen ebenso schwierig. Die Autorin Kirsten Becken muss seit ihrer Geburt damit umgehen, denn ihre Mutter ist bereits anfang Zwanzig an der psychotischen Störung erkrankt. Die Familie musste lernen, mit der Krankheit umzugehen. Im Interview mit ze.tt hat Kirsten Becken offen darüber gesprochen:

Wir haben uns in der Familie immer total viel ausgetauscht. Es gab zum Beispiel einen Code-Namen für Phasen, in denen sie sich zurückziehen wollte. Wenn sie nicht mehr am Kaffeetisch sitzen konnte und ihr alles zu viel wurde, dann hat sie zu meinem Vater gesagt: Ich habe Gesichter gesehen. – Kirsten Becken, Autorin des Buches „Seeing Her Ghosts“

In einem Art-Book hat sie die Erfahrungen mit ihrer Mutter, wissenschaftliche Beiträge und künstlerische Projekte von Betroffenen verewigt. Es soll anderen Menschen helfen, die Krankheit zu verstehen. Sie hat laut Becken nicht nur abschreckende Seiten, sondern auch sehr emotionale und komische.

detektor.fm-Moderatorin Maja Fiedler hat dazu in unserer Serie Netzhelden mit Josefine Schummeck von ze.tt gesprochen, dem jungen Online-Magazin der Zeit. Josefine Schummeck hat die junge Autorin begleitet.

Josefine Schummeck_zettEin Buch kann dazu beitragen, Stigmata von der Krankheit zu nehmen und auch die Fülle der gesamten Krankheit zu sehen. Viele Betroffene können gerade durch ihre Krankheit sehr kreativ sein.Josefine Schummeckist Redakteurin bei ze.tt und hat mit uns über Schizophrenie und die Autorin Kirsten Becken gesprochen.