Netzhelden | Was Telefonseelsorge leistet

Die Kunst des Zuhörens

26.09.2016

Tausende Menschen rufen täglich bei der Telefonseelsorge an. Dort suchen sie Trost und Verständnis. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter versuchen, diesem Bedürfnis nachzukommen. ze.tt hat sich ihre Arbeit genauer angesehen.

Telefonseelsorge bedeutet Hingabe

24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche in diesem Zeitraum muss, da es sich offiziell um einen „Notruf“ handelt,  immer jemand am Telefon sitzen. So nehmen zum Beispiel die Mitarbeiter der Telefonseelsorge in Berlin bis zu 60 Anrufe pro Tag entgegen. Mehr ist kaum zu stemmen. Wer nicht durchkommt, wird automatisch zur Telefonseelsorge Brandenburg durchgestellt.

Wie lange man spricht, ist nicht festgelegt. Von wenigen Minuten über Stunden ist alles möglich solange es dem Anrufer hilft. Um das Wohl der Hilfesuchenden kümmern sich insgesamt 140 ehrenamtliche Helfer. Damit gehört die Einrichtung in Berlin zu den größten Deutschlands.

Freiwillige Helfer

Hauptamtliche Mitarbeiter der Telefonseelsorge haben in der Regel ein Studium der Psychologie absolviert. Dazu kommt häufig eine psychotherapeutische Ausbildung. Dennoch kann im Grunde jeder helfen. Dazu braucht es lediglich rund ein Jahr intensive Schulung. Einer therapeutischen Beratung kommen die Gespräche aber nicht gleich, denn die Telefonseelsorger erstellen keine Diagnosen.

Es ist eher ein sanftes Nachfragen und ein Nachfühlen. Es ist eine höchst menschliche Art der Kommunikation. – Till Eckert, ze.tt

Starke Nerven

Als ehrenamtlicher Mitarbeiter einer Telefonseelsorge braucht man ein dickes Fell. Die Mitarbeiter in Berlin haben verschiedene Wege, mit den Sorgen der Anrufenden umzugehen. Einige gehen spazieren, andere rauchen oder essen Keckse.

Es ist wichtig, innerlich gefestigt zu sein und die Nähe, die man da schenkt, auspendeln zu können mit der Distanz, die man dafür braucht. – Till Eckert

In besonders extremen Fällen können die Ehrenamtlichen auch jederzeit die hauptamtlichen Mitarbeiter kontaktieren auch wenn es mitten in der Nacht ist.

Wendeverlierer

Wer zum Hörer greift, lässt sich schwer festmachen. Menschen aus allen gesellschaftlichen Schichten nehmen die Telefonseelsorge in Anspruch.

Im Raum Berlin-Brandenburg gibt es dazu eine Besonderheit: die sogenannten „Wendeverlierer“. Es handelt sich dabei um Menschen, die den Umbruch und die veränderte gesellschaftliche Stimmung nach der Wende nicht verkraftet und ihre Arbeit unverschuldet verloren haben. Bis heute leiden sie unter den Veränderungen.

detektor.fm-Moderator Christian Eichler hat in unserer Serie „Netzhelden“ über das Thema Telefonseelsorge mit ze.tt-Redakteur Till Eckert gesprochen.

Till EckertEs ist weniger eine zielorientierte oder lösungsorientierte Arbeit. Es geht sehr viel darum, dass man sich auf Augenhöhe unterhält. Till Eckerthat mit Mitarbeitern der Telefonseelsorge Berlin gesprochen.  

Redaktion: Carina Fron