Netzhelden | Wühlmäuse als Beziehungsratgeber

Hormone steuern Treue

19.09.2016

Fast alle Säugetiere sind untreu. Wühlmäuse hingegen pflegen monogame Beziehungen. Der Grund dafür soll hormoneller Natur sein. Manuel Bogner von ze.tt erklärt, warum das so ist:

Wühlmäuse sind treue Seelen

Nach der Formel für eine lange und glückliche Beziehung suchen viele Menschen. Die Lösung dafür haben Forscher bei Wühlmäusen gefunden. Wühlmäuse sind unter den Säugetieren nämlich die Spitzenreiter im Führen von monogamen Beziehungen. Bergwühlmäuse dagegen gehen keine Partnerbindung ein. Warum ist das so?

Verantwortlich dafür ist laut neuesten Erkenntnissen das Kuschelhormon: Oxytocin, welches die pelzigen Tierchen aneinander bindet. Oxytocin wird vor allem beim Sex und bei körperlicher Nähe ausgeschüttet. Wie die Wühlmaus hat auch der Mensch Rezeptoren für Oxytocin.

 Oxytocin wirkt wie eine Liebesdroge

Durch die Tierversuche mit Wühlmäusen sind Forscher davon überzeugt, dass die Bindungsfähigkeit und das Liebesleben zum Großteil von Oxytocin abhängt. Spritzt man weiblichen Wühlmäusen Oxytocin ins Hirn, knüpfen diese danach engere Beziehungen zu ihren Partnern.

Studien sollen ergeben haben, dass Oxytocin das Belohnungssystem im Gehirn aktiviert und dadurch die Bindung zwischen dem Paar aufrecht erhält und fördert. Zudem wirke Ocytocin wie eine Droge. Denn sowohl beim Konsum von Drogen als auch in der Liebe streben Menschen nach der Stimulation des Belohnungssystems im Gehirn.

Künstliche Bindungsfähigkeit?

In einer Studie ist festgestellt worden, dass ein Streit zwischen Paaren schneller beendet wird, wenn man ihnen Oxytocin als Nasenspray verabreicht. In einer weiteren Untersuchungsreihe haben Forscher getestet, ob Ocytocin die Attraktivität der Partnerinnen steigert. Das Ergebnis: Die Männer fanden ihre Partnerinnen attraktiver, wenn sie zuvor Oxytocin erhalten hatten.

Aber klar ist, dass Nasensprays mit Oxytocin allein nicht zu einer dauerhaften und glücklichen Beziehung führen.

Insgesamt weisen die Daten nicht darauf hin, dass Oxytocin als Allheilmittel wirken oder jeden sozialen Konflikt kitten kann. – Prof. Dr. phil. Beate Ditzen, Psychologin vom Universitätsklinikum Heidelberg

Was wir von Wühlmäusen über Sex und Beziehungen lernen können und welche Parallelen sich daraus zum Menschen ergeben, darüber hat Maja Fiedler in unserer Serie „Netzhelden“ mit ze.tt-Redakteur Manuel Bogner gesprochen.

Manuel Bogner von zettOxytocin spielt eine wichtige Rolle. Man kann allerdings nicht die gleichen Versuche beim Menschen machen, wie bei den Wühlmäusen. Manuel Bognerhat sich das Verhalten der Wühlmäuse genauer angeschaut.  

Redaktion: Linh Pham