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Diese Fahnen könnten am Wochenende wieder in Hannover wehen. Foto: AFP | John Macdougall
Bild: AFP | John Macdougall

Stadtgespräch | NPD in Hannover

„Nicht einschüchtern lassen“

Das Verhältnis zwischen Presse und rechtsextremer Szene ist in den letzten Jahren deutlich angespannter geworden. Nun hat die NPD Niedersachsen zu einer Demo am Wohnort eines Journalisten aufgerufen und erreicht so ein neues Niveau der Einschüchterung.

NPD setzt neues Niveau der Einschüchterung

Der Journalist Julian Feldmann wohnt in Hannover. Dort hat die NPD Niedersachen Demonstrationen für das kommende Wochenende angekündigt – und zwar gewissermaßen vor Feldmanns Haustür. Denn Feldmann ist den Rechtsextremen ein besonderer Dorn im Auge und gegen ihn richtet sich der Aufruf. Feldmann hatte in der NDR-Sendung „Panorama“ unter anderem über die Verbrechen eines früheren SS-Mitgliedes und über den Prozess gegen einen KZ-Wachmann berichtet. Insgesamt zehn Berichterstattende werden im Aufruf der NPD Niedersachsen namentlich genannt und als „antideutsch“ bezeichnet.

Drohungen und Anfeindungen sind für Berichterstattende über die rechtsextreme Szene nichts Neues. Julian Feldmann hat bereits mehrere Morddrohungen erhalten. Auch der Name David Janzen taucht auf der Liste der NPD Niedersachsen auf. Janzens Privatwohnung ist bereits mehrfach attackiert worden.

Es ist tatsächlich eine neue Qualität, dass in der Öffentlichkeit namentlich gegen Kolleginnen und Kollegen demonstriert werden soll und dass diese Namen benutzt werden, um gegen das ganze System vorzugehen. Es ist ein klarer Angriff auf die Pressefreiheit, man darf sich aber nicht in der täglichen Arbeit einschüchtern lassen, sondern muss einfach weitermachen. – Tobias Morchner, Journalist der HAZ

Pressefreiheit besser schützen

Die Organisation Reporter ohne Grenzen hat nun einen Gegen-Aufruf gestartet. Darin fordert die Organisation, sich mit den betroffenen Berichterstattenden zu solidarisieren und Pressevertreterinnen und -vertreter allgemein besser zu schützen. Zum Beispiel sollen im Impressum eines Mediums keine privaten Wohnadressen preisgegeben werden. Außerdem fordern Reporter ohne Grenzen, Polizei, Gerichte und die Staatsanwaltschaft stärker für Angriffe auf die Presse zu sensibilisieren und rechtliche Möglichkeiten konsequenter anzuwenden.

Über die Situation in Hannover und die Lage der betroffenen Journalisten spricht detektor.fm-Moderatorin Helena Schmidt mit Tobias Morchner. Als Journalist bei der Hannoverschen Allgemeinen berichtet er regelmäßig über die rechtsextreme Szene.

Redaktion: Clara Schulze