Umgang mit NS-Erbe des „Dritten Reichs“

Wohin mit dem Nazi-Krempel?

18.08.2017

Deutschland ist voll mit Überbleibseln aus der Nazi-Zeit. Auf Flohmärkten werden SS-Uniformen und Abzeichen feil geboten. Aktuell streitet ein Dorf in der Pfalz über eine Kirchenglocke mit Hitler-Inschrift. Wie ist der richtige Umgang mit dem NS-Erbe?

NS-Erbe: Wie geht man damit um?

Eine Hochzeit unterm Hakenkreuz im Jahr 2017. Was sich anhört wie der Traum eines Neonazis, ist in einem Dorf in der Pfalz Realität, denn auf der Kirchenglocke der Gemeinde Herxheim am Berg prangt die Inschrift: „Alles fürs Vaterland. Adolf Hitler“. Losgetreten wurde die Diskussion über die Glocke von der Organistin. Schon 15 Jahre hatte sie in der Kirche gearbeitet, als sie von der Hitler-Inschrift erfuhr. Hinnehmen wollte sie die Situation nicht so einfach.

Denn wo solch alte Relikte einfach hingenommen werden, zieht es mitunter auch unliebsames Publikum an. Neonazis reisen zu solchen Relikten, die Orte haben dann quasi Kultstatus. Daher fragt sich, wie der richtige Umgang mit dem NS-Erbe ist.

Ich fände es grundverkehrt diese Glocke einfach zu zerstören. Solche Funde sind eine Chance sich im lokal-historischen Kontext mit dem Nationalsozialismus auseinander zu setzten. – Simone Rafael, Belltower News

Nun möchte das 800-Seelen-Dorf über den Umgang mit der Hitler-Glocke im Gemeinderat abstimmen lassen. Herxheim beauftragte sogar eine Glockensachverständige, um über eventuelle Änderungen am Klangkörper aufzuklären. Es ist im Gespräch, die Inschrift mit einer Paste zu verdecken, was laut der Glockenexpertin allerdings den Klang verändern würde. Auch eine Gedenktafel könnten sich die Herxheimer vorstellen.

Muff von 100 Jahren

Nicht nur Städten und Gemeinden stellt sich die Frage nach dem richtigen Umgang mit NS-Relikten. Denn auch in Privathaushalten tauchen immer mal wieder Wehrmachtsuniformen oder Abzeichen auf. In einem solchen Fall sind Museen und Stadtarchive der richtige Abnehmer. Eigentlich ist es in Deutschland verboten, Hakenkreuze zu zeigen. Doch auf vielen Flohmärkten werden NS-Devotionalien verkauft. Die Händler überkleben einfach die Hakenkreuze und umgehen somit das Verbot der Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen. Der Weg zum Museum ist allerdings sicher der bessere Weg. Auch um zu vermeiden, dass Fans der rechten Szene in den Besitz solcher Relikte gelangen.

Es gibt viele Flohmärkte, die sich eigene Satzungen geben und festlegen, dass solche Nazi-Relikte auf ihren Märkten nicht gehandelt werden sollen. – Simone Rafael

detektor.fm-Moderator Thibaud Schremser hat mit Simone Rafael von Belltower News über den richtigen Umgang mit NS-Relikten gesprochen.

Redaktion Joel Lander