Organspenden

Warten auf Organe

11.08.2017

Die Zahl der Organspender in Deutschland ist extrem niedrig, die Wartelisten für lebenswichtige Spendenorgane dafür umso länger. Schuld ist eine allgemeine Verunsicherung, aber auch die spezielle Gesetzeslage.

Kaum Organspenden

Nach Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) hat es in ganz Deutschland in diesem Jahr gerade einmal 472 Organspenden gegeben. Das sind 24 weniger als im gleichen Zeitraum des vergangenen Jahres. Ein Grund dafür ist das Misstrauen in die Transplantationsmedizin. Denn das ist seit dem Organspendeskandal 2012 stark gestiegen. Trotz Änderungen am Transplantationsgesetz und der Einführung eines bundesweiten Transplantationsregisters haben viele potenzielle Spender bis heute Vorbehalte.

Dazu kommt, dass Organtransplantationen sehr teuer sind. Außerdem werden potenzielle Organspender in den Krankenhäusern oft nicht identifiziert. Dabei könnte es anders sein. Nach einer aktuellen Umfrage steht eine Mehrzahl der Deutschen einer möglichen Organspende positiv gegenüber. 38 Prozent haben sogar einen Organspendeausweis. Trotzdem liegt Deutschland im internationalen Vergleich weit zurück.

Unterschiedliche Gesetzeslagen

Ein weiterer Grund für die niedrigen Spenderzahlen ist die aktuelle Gesetzeslage. In Deutschland gilt die sogenannte Entscheidungslösung. Das bedeutet, dass sich jeder eine eigene Meinung zum Thema Organspende bilden soll. Dafür verschicken Krankenkassen regelmäßig Informationsmaterialien. Auf dieser Grundlage kann man sich dann zu Lebzeiten für oder gegen eine Organspende entscheiden. Wenn ein Patient also nicht zugestimmt hat, gibt es keine Möglichkeit, die Organe nach dem Tod zu transplantieren. Für die fehlende Bereitschaft zur Spende gibt es laut Burkhard Tapp vom Bundesverband der Organtransplantierten aber noch einen anderen Grund.

Viele sagen, sie seien zu alt für die Organspende, doch es gibt definitiv keine Altersgrenze. Weder nach unten noch nach oben. – Burkhard Tapp, Bundesverband der Organtransplantierten

In vielen anderen Ländern gilt die Widerspruchslösung, wie zum Beispiel in Österreich und Frankreich. Dort müssen Verstorbene einer Organspende zu Lebzeiten explizit widersprechen. Der Anteil an Spendern ist in diesen Ländern deutlich höher als in Deutschland.

Burkhard Tapp vom Bundesverband der Organtransplantierten sieht die Gründe für die geringen Spenderzahlen vor allem in der Struktur der Krankenhäuser. detektor.fm-Moderator Lucas Kreling hat mit ihm gesprochen.

OrganspendeDas Problem sind weniger fehlende gesetzliche Regelungen oder die fehlende Zustimmung in der Bevölkerung, sondern die Strukturen in den sogenannten Entnahmekrankenhäusern.Burkhard TappPressesprecher des Bundesverbandes der Organtransplantierten 

Redaktion: Ferdinand Moeck, Lukas Gilbert