Schreiben von Papst Franziskus über Liebe und Sexualität

"Wer bin ich, über diese Menschen zu urteilen?"

11.04.2016

Homosexualität, wiederverheiratete Geschiedene, Verhütung – es sind heikle Themen, die der Papst in seinem Schreiben "Amoris Laetita" anspricht. Im Vorfeld hat es große Hoffnung gegeben, dass mit ihr die moderne Wende der katholischen Kirche kommt. Sind diese Erwartung erfüllt worden?

Zwischen Gute-Laune-Papst und Kinder schlagen

Als Jorge Mario Bergoglio am 13. März 2013 zum Papst gewählt worden ist, haben sich viele Kirchen-Kenner überrascht gezeigt. Denn den Argentinier haben bis dahin nur Wenige favorisiert, und bis heute ist er nicht bei allen Bischöfen und Kardinälen beliebt. Franziskus predigt Bescheidenheit und setzt sich gegen den Pomp des Klerus ein. Nach seinen eher konservativen Vorgängern Johannes Paul II. und Benedikt XVI. scheint er den von progressiven Katholiken lang ersehnten frischen Wind in die Kirche zu bringen.

Doch auch er ist nicht immer der Gute-Laune-Papst. So findet er zum Beispiel, dass am Schlagen von Kindern nichts auszusetzen sei, wenn man nicht ihre Würde dabei verletzt. Auch wettert er immer wieder gegen die sogenannte „Gender-Ideologie“ und bezeichnet die Homo-Ehe als ein Werk des Teufels.

Amoris Laetitia: Die Freude der Liebe

Mit seinem apostolischen Schreiben „Amoris Laetita„, zu deutsch „Die Freude der Liebe“, bezieht Franziskus nun Stellung zu den am stärksten diskutierten Themen in der katholischen Kirche. Dazu gehören, neben dem Status von wiederverheirateten Geschiedenen, vor allem auch Homosexualität, Verhütung, Zölibat und die Sexualmoral der Kirche im Allgemeinen. Zentral dabei ist, dass Franziskus Kompetenzen abgeben will. Anstatt aus Rom Entscheidungen abzuwarten, sollen die Bischöfe selbst für ihr Land und ihre Diözese die richtige Wahl treffen.

Papst Franziskus sagt: Es geht nicht darum, dass es eine Kirchenlehre gibt, ein Kirchengesetz, was auf der ganzen Welt gilt, sondern es geht darum, in den einzelnen Ländern Regelungen zu finden. – Christian Weisner, Mitglied im Bundesteam der Initiative „Wir sind Kirche“

Wie sich der Papst in „Amoris Laetitia“ zum Thema Liebe und Sexualität positioniert und was das für die Gläubigen bedeutet, darüber hat detektor.fm-Moderatorin Karolin Döhne mit Christian Weisner gesprochen. Er ist Mitglied im Bundesteam der Initative „Wir sind Kirche„, die sich für eine grundlegende Reform der katholischen Kirche einsetzt.

2371_Foto_Weisner_Christian_Wir sind KircheDie christliche Kirche in den 2000 Jahren ist sehr viel vielfältiger, vielgestaltiger, pluraler gewesen, als wir sie in den letzten 150 Jahren erlebt haben.Christian Weisnerist Mitglied im Bundesteam der Initiative "Wir sind Kirche". 

Redaktion: Christopher van der Meyden