Papstwahl beginnt – und damit das Ende der europäischen Ära in Rom?

12.03.2013

Ab heute sind Kardinäle aus allen Erdteilen im Vatikan dazu aufgerufen, einen neuen Papst zu wählen. Dabei scheinen sich zwei Fronten zu bilden: Europäer gegen Nichteuropäer.

115 Kardinäle wählen ab heute einen neuen Papst. Dieser ist zugleich auch Bischof von Rom. Foto: © stkraus2012/flickr.com

Heute hat das Konklave im Vatikan begonnen. 115 Kardinäle schließen sich in der sixtinischen Kapelle ein und sind dazu aufgerufen, einen neuen Papst zu wählen.

Nach 34 Wahlgängen ohne die nötige Zweidrittelmehrheit, kommt es zu einer Stichwahl der beiden stärksten Anwärter. Steigt weißer Rauch aus dem Kamin der Sixtinischen Kapelle auf, ist klar: Ein neuer Papst ist gefunden. Bei schwarzem Rauch muss ein weiterer Wahlgang her.

Wird Ratzinger zum „Schattenpapst“?

leitet das Debatten-Magazin "The European"Alexander Görlachhat über den Vatikan promoviert. 

Soweit der Ablauf dieser wohl ältesten Wahlversammlung der Welt. Doch dieses Mal ist etwas anders als bei früheren Wahlen: Der alte Papst lebt noch. Und das nicht irgendwo als Einsiedler, sondern bald schon wieder mitten im Vatikan.

Da wird es schwierig, sich künftig aus allen kirchlichen Geschäften heraus zu halten. Der Theologe Hans Küng hat bereits davor gewarnt, dass Joseph Ratzinger zu einem „Schattenpapst“ werden könnte.

Es ist doch viel mehr umgekehrt so, dass man sagen kann, dass der ehemalige Papst quasi, und das ist auch eine Übertreibung, ein Gefangener im Vatikan ist. – Alexander Görlach

Verlieren Europäer bald auch Vormachtstellung im Vatikan?

Unter den 115 Kardinälen, die den neuen Papst aus ihrer Mitte wählen werden, sind 60 Europäer. Vor allem die 28 Italiener unter ihnen, würden nach einem polnischen und einem deutschen Papst gerne wieder einen Landsmann an der Spitze der katholischen Kirche sehen. Indes wird vor allem auch der Bischof von São Paulo, Odilo Pedro Scherer, als Favorit für den Heiligen Stuhl gehandelt. Er wäre der erste nichteuropäische Papst.

Dieser Papst würde, wenn er nicht aus Europa kommt, uns Europäern einmal mehr zeigen, dass die alte Welt nicht mehr die Bedeutung hat wie vor hundert Jahren. – Alexander Görlach

Über mögliche Nachfolger von Benedikt XVI. und dessen Rolle unter dem neuen Papst, haben wir mit Alexander Görlach gesprochen. Er ist Theologe und Herausgeber des Debatten-Magazins „The European“.

Missbrauchsskandal: Das sind Missstände, die so tiefgehend in der gesamten katholischen Kirche sind, dass es schon mit den Missständen vergleichbar ist, welche die spätmittelalterliche Kirche vor dem Erscheinen Martin Luthers geprägt haben. – Alexander Görlach