Paradise Papers enthüllen Steuerhinterziehung

Schöne Inseln, schönes Geld

06.11.2017

Nach der Enthüllung der Paradise Papers ist die Aufregung groß. Doch dieser Fall ist nicht der erste Skandal seiner Art. Die Frage, die sich also stellt: Was ist seit den letzten Leaks passiert? detektor.fm hat nachgehakt nach und mit Steuerrechts-Professor Joachim Englisch darüber gesprochen.

Neues Datenleck: Die Paradise Papers

Briefkastenfirmen, Offshore-Geschäfte und Steueroasen  lauter Begriffe, mit denen wir in den letzten Jahren immer wieder konfrontiert wurden. Doch stammen sie nicht aus dem Alltag der normalen Bevölkerung. Nein. All diese Begriffe entstammen einer anderen Welt. Einer Welt der Superreichen und Berühmten, der großen Unternehmen und multi-nationalen Konzerne. Einer Welt, in der gewöhnliche Regeln und Gesetze außer Kraft gesetzt zu sein scheinen.

Steueroasen bieten ein günstiges Besteuerungsumfeld, das legal genutzt werden kann. Und das geschieht relativ intransparent. – Joachim Englisch, Professor für Steuerrecht an der Uni Münster

Die Rede ist von Steuervermeidung und Steuerhinterziehung, von Verschleierung und Korruption. Etwas mehr als ein Jahr nach der Veröffentlichung der Panama Papers zeigen neue Dokumente, wer auch weiterhin seine Finanzen über Steueroasen abwickelt. Darunter finden sich bekannte Namen, teils gehören sie in die obersten gesellschaftlichen Kreise. Denn es geht um Menschen aus dem direkten Umfeld von berühmten Persönlichkeiten und Politikern wie der Queen, dem kanadischen Premier Justin Trudeau und dem US-Präsident Donald Trump.

Kampf gegen Steuerhinterziehung wirkungslos?

Die Diskussion um das Steuerrecht ist schon nach der Enthüllung im vergangenen Jahr laut geworden. Dass große Unternehmen und Privatpersonen offenbar immer noch die Möglichkeit haben, ihr Vermögen an den Behörden vorbeizuschieben, gibt zu denken. Allerdings hat die EU-Kommission schon verschiedene Abkommen getroffen, die der Steuerhinterziehung den Kampf ansagen.

Es gibt dennoch weiterhin Staaten, die diese Vereinbarungen blockieren. Das erschwert die Unterbindung von illegalen Steuer-Machenschaften. Auf der anderen Seite steigen durch Transparenz-Maßnahmen und wiederholte Leaks auch die Risiken für Steuerhinterzieher.

Was die Steuerhinterziehung angeht, so glaube ich schon, dass ein Bewusstseinswandel eingetreten ist. Es sind eigentlich nur noch sehr vermögende Personen, die sich das überhaupt leisten können. – Joachim Englisch

Über das neue Datenleck Paradise Papers, die Machenschaften von Steuerhinterziehern und mögliche Gegenmaßnahmen hat detektor.fm-Moderator Christoph Dziedo mit Joachim Englisch gesprochen. Er ist Professor am Institut für Steuerrecht an der Universität Münster.

Joachim Englisch - Peter GrewerGanz neu ist eine Initiative der EU-Kommission, mal zu prüfen – das ist aber noch im Prüfungsstadium – ob man Whistleblowern im Bereich Steuergestaltung und Steuerhinterziehung besonderen Schutz angedeihen lassen sollte.Joachim Englischist Lehrstuhlinhaber am Institut für Steuerrecht an der Universität Münster. 

Redaktion: Julia Rosner