Neue Pegida-Studie vom WZB

Brauner Mob oder besorgte Mittelschicht?

20.01.2015

Wer ist Pegida? Das Berliner Wissenschaftszentrum für Sozialforschung hat eine Studie über Pegida-Demonstranten und deren Herkunft erstellt. "Eine soziologische Annäherung" soll zeigen, wo die Demonstranten politisch stehen und was ihre Ziele sind.

Wer ist Pegida? Eine Frage, viele Antworten

Unter die Teilnehmer der vergangenen Pegida-Demontrationen in Dresden hatten sich Forscher vom WZB gemischt. Mit einer Studie wollen sie endlich beantworten, wer diese Unzufriedenen sind, die gegen die Islamisierung des Abendlandes kämpfen.

Die Bereitschaft der Demonstranten über Ziele der Bewegung und die eigene Herkunft zu sprechen, war jedoch gering. Die geringe Rücklaufquote der Befragung zeigt:

Der typische Pegida-Demonstrant nimmt ungern an Umfragen teil.

Trotz massiver Einschüchterungsversuche führten die Wissenschaftler die Befragung durch. Auch deshalb wurde der Untertitel „Protestforschung am Limit“ für die Studie gewählt. Nur ein Bruchteil der Demonstranten nahm an der Studie teil. Aufgrund der geringen Teilnehmerzahl liegt die Frage nah, wie repräsentativ die Studie ist. Diese Erfahrung musste auch bereits die Forscher der TU Dresden mit ihrer Studie über Pegdia-Demonstranten machen.

Breites Spektrum an Weltbildern

Menschen mit Schildern wie „Hass, Gewalt, Koran“ und  „Staatspropaganda abschaffen“ laufen neben nebeneinander. Andere drücken ihre Kritik an der Politik gemäßigt aus. Auch direkte Demokratie wird von den Pegida-Teilnehmern gefordert. Ob diese Forderungen umsetzbar und sinnvoll sind, wird jedoch ausgeblendet. Diese unterschiedlichen Ausgangspunkte machen einen Dialog schwer. Dennoch versucht CDU-Präsidiumsmitglied Jens Spahn verständnisvoll mit den Ängsten der Pegida-Anhänger umzugehen.

Aktuell verabschiedet sich die Pegida-Führung von der Praxis, die  „Lügenpresse“ völlig auszuschließen. Am Montag fand die erste Pegida-Pressekonferenz mit Lutz Bachmann und Kathrin Oertel in der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung statt. Am Sonntag vor dem Demontrationsverbot war Kathrin Oertel in der Talkshow von Günther Jauch vertreten.

Wie lange die Bewegung noch die Tagespolitik bestimmt oder ob sie bereits ihren Zenith überschritten hat, bleibt jedoch fraglich. Welche Schlüsse die Forscher aus ihrer Analyse ziehen konnten, darüber hat detektor.fm-Moderator Alex Hertel mit Dr. Piotr Kocyba gesprochen. Er hat an der Studie mitgearbeitet.

kocyba_TU ChemnitzJe höher das Alter, desto weniger agressiv das Auftreten der Pegida-Anhängerschaft und desto interessierter auch die Nachfragen. Dr. Piotr Kocybaist wissenschaftlicher Mitarbeiter der TU Chemnitz und beteiligter Wissenschaftler an der Studie. Foto: TU Chemnitz 

 Redaktion: Natalie Schorr