Landwirtschaft für Artenvielfalt

Gegensätze zusammenbringen

18.07.2017

Wegen der wachsenden Agrarwirtschaft sind immer mehr Pflanzen- und Tierarten bedroht. Das Projekt "Landwirtschaft für Artenvielfalt" soll das ändern. Doch wie soll das in der Praxis aussehen?

Artenvielfalt bewahren

Ungefähr die Hälfte der Fläche Deutschlands ist landwirtschaftliche Nutzfläche. Das prägt den Lebensraum von Pflanzen und Tieren. Denn durch die wachsende Landwirtschaft sind viele Tier- und Pflanzenarten bedroht. So zerstören beispielsweise Traktoren Ackerwildkräuter. Oder Wildtiere finden wegen des Einsatzes von Insektiziden keine Nahrung.

Um die Artenvielfalt zu fördern, wurde das Pilotprojekt „Landwirtschaft für Artenvielfalt“ gegründet. Hierfür wurden verschiedene Maßnahmen zum Naturschutz in einem Katalog zusammengefasst und ein Bewertungssystem für Agrarbetriebe entwickelt. Die Projektpartner sind dabei vielseitig: Neben dem World Wide Fund for Nature (WWF) und dem Anbauverein „Biopark e.V.“ ist auch die Supermarktkette Edeka und das Land Mecklenburg-Vorpommern an dem Versuch beteiligt. Außerdem betreut das Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) das Projekt wissenschaftlich.

Mehr Aufwand

Um die Artenvielfalt zu sichern, bekommen die teilnehmenden Betriebe eine naturschutzfachliche Beratung. Wie sorgfältig sie die Maßnahmen dann umsetzen, wird im Rahmen des Projekts kontrolliert. Denn die Betriebe sollen nicht nur für eine artgerechte Tierhaltung sorgen. Viel mehr sollen sie auch Lebensräume für Tiere und Pflanzen schaffen. Die Projektpartner erhoffen sich davon ein größeres Engagement der Betriebe in puncto Artenschutz.

Das ist auch weiterhin unser Wunsch, dass diese ganzen Maßnahmen als freiwillige Maßnahmen in die Praxis integriert werden können. – Karin Stein-Bachinger, Mitarbeiterin am Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung

Ein neues Siegel

Neben dem üblichen Bio-Siegel bekommen alle Erzeugnisse aus den Betrieben ein eigenes Logo. Dann landen die Lebensmittel unter anderem in den Regalen von Edeka-Nord. Die Supermarktkette zahlt dafür höhere Erzeugerpreise – ohne dass der Einkauf für den Verbraucher teurer wird. Bisher wird diese Praxis allerdings nur in Norddeutschland durchgeführt. Schon bald aber sollen die Produkte in ganz Deutschland verfügbar sein.

Karin Stein-Bachinger arbeitet am Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung. Sie ist dort unter anderem für die Entwicklung naturschutzfachlich optimierter Anbauverfahren zuständig. Mit detektor.fm-Moderatorin Astrid Wulf hat sie über das neue Pilotprojekt „Landwirtschaft für Artenvielfalt“ gesprochen.

Es wird sich zeigen, wie sich der Markt entwickelt und welche Möglichkeiten von der Verbraucherseite her bestehen. Da würde ich jetzt noch keine Prognosen abgeben.Dr. Karin Stein-Bachingerkann noch nicht absehen, wie das Modell bei den Verbrauchern ankommen wird. 

Redaktion: Josefine Farkas