piqd-Hintergrund | Reichsbürger, Sexualisierte Gewalt gegen Erntehelferinnen, Proteste in der Slowakei

"Ich war immer da"

15.06.2018

Florian Schairer spricht im piqd-Salon mit drei Autorinnen und Autoren über ihre spannendsten Recherchen.

Reichsbürger – von Verschwörungstheorien, einem Königreich und Umsturzplänen

Es war Aufruhr, niemand hat mich recherchiert und ich war immer da. – Tobias Ginsburg

Tobias Ginsburg verbrachte für sein Buch mehrere Monate mit und bei Reichsbürgern. Der jüdische Autor und Regisseur hat quer durch Deutschland verschiedene Gruppierungen besucht, war Untertan eines Königreichs, machte mit bei Plänen zum Sturz der BRD GmbH und für ein germanisches Siedlungsprojekt in Russland. Dabei lernte er gewaltbereite Neonazis und friedensbewegte Esoteriker kennen. Aber auch Biedermänner, von denen manche heute für die AfD im Bundestag sitzen.

TobiasGinsburgDirekt bei meinem ersten Ausflug wurde relativ schnell klar, dass das weitaus mehr ist als dieses kuriose Gewächs von Extremismus. Hinter diesem scheinbaren Wahnsinn steckt System.Tobias Ginsburgerzählt in dieser Folge, wie es war, ein Jahr unter Reichsbürgern zu verbringen. 

Unmenschlicher Umgang mit Erntehelferinnen in Spanien, Marokko und Italien

Pascale Müller und Stefania Prandi haben sich auf eine aufwendige und gefährliche Recherchereise zu Erntehelferinnen in Spanien, Marokko und Italien begeben. Im piqd-Salon berichtete Pascale Müller von den Bedingungen vor Ort: Viele Frauen werden von ihren Vorgesetzten gedemütigt und geschlagen. Die beiden Journalistinnen haben mit über 100 Frauen gesprochen – 28 von ihnen wurden vergewaltigt. Nun gibt es neue Entwicklungen: Die Missstände werden nun auch im spanischen Parlament diskutiert. Es gab mehrere Anzeigen von Frauen gegen ihre Vorgesetzten.

Es ist ein riesiges, abgelegenes Gelände. Er könnte mich einfach irgendwo vergraben. Niemanden würde es interessieren, niemand würde es herausfinden. – eine marokkanische Erntehelferin in Spanien

PascaleMüllerKalima arbeitet auf einer Erdbeerfarm nur wenige Kilometer entfernt und das Leben dort ist die Hölle. [...] Und dann ist da ihr Vorgesetzter Abdelrahman, ein Mann aus Marokko. Der Fall bei Kalima war für uns so wichtig, weil Kalima dann im nächsten Satz gesagt hat: 'Ich will das jetzt anzeigen, wir fahren zur Polizei!'Pascale Müllerwar monatelang in Spanien und Marokko unterwegs, um mit den Frauen zu sprechen, die unsere Erdbeeren pflücken. 

Politischer Aktivismus in der Slowakei nach Journalistenmord

Nach dem Mord an Investigativ-Journalist Ján Kuciak und seiner Verlobten im Februar 2018 haben viele Slowakinnen und Slowaken ihren Unmut geäußert. Gerade junge Menschen haben begonnen, sich zu organisieren und regelmäßig zu demonstrieren. Kristina Forbat hat auf ihrer Recherchereise aktuelle und ehemalige Aktivisten getroffen und schildert in einer arte-Dokumentation die Stimmung vor Ort. Außerdem berichtet sie über die Korruption im Alltag vieler Menschen in der Slowakei.

KristinaForbat_17.05.Ich bin selber gebürtige Slowakin und hab mich gefragt: Was ist denn los in meinem Land? Massenproteste? Die gab's doch seit 1989 nicht mehr. Denn die Slowaken sind jetzt bislang nicht aufgefallen [...] als ein Volk, das regelmäßig massenhaft demonstriert.Kristina Forbatist nach dem Mord am Journalisten Ján Kuciak und seiner Verlobten durch die Slowakei gereist. 

Um diese drei Geschichten geht es in dieser Ausgabe des piqd-Hintergrund. Durch den Podcast führt Florian Schairer.